Die Story: Nach dem Tod ihres Mannes zieht Shin-ae mit dem gemeinsamen Sohn von Seoul in die Kleinstadt Miryang, dem Geburtsort ihres Mannes. Miryang bedeutet so viel wie "heimlicher Sonnenschein". Auf die Frage, wie denn das Leben dort sei, bekommt sie zur Antwort: "So wie überall sonst auch." Kaum am neuen Ort heimisch geworden, erhält Shin-ae die Nachricht, dass ihr Sohn entführt wurde - schon bald darauf muss sie dessen Leiche identifizieren. In ihrer Verzweiflung schließt sie sich wiedergeborenen Christen aus ihrer Nachbarschaft an, bis sie merkt, dass auch der Glaube den Schmerz ihrer Trauer nicht zu lindern vermag. Einzig die Zuwendung des Junggesellen Jong-chan, der keinerlei Gegenleistung dafür fordert, vermag Shin-ae noch einen Hauch von Zuversicht zu geben.
Die Schauspieler: Für ihr eindringliches Spiel, das ganz ohne theatralische Gesten auskommt, wurde Jeon Do-yeon vor zwei Jahren beim Filmfestival von Cannes zu Recht mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet. Auf der diesjährigen Berlinale konnte sie in "My Dear Enemy" überzeugen. An ihrer Seite versteht es Song Kang-ho ("The Host"), zugleich Verehrung und tiefe Anteilnahme auszudrücken.
Der Regisseur: Der 55-jährige Lee Chang-dong, dessen bisherige drei Filme "Green Fish", "Peppermint Candy" und "Oasis" hierzulande leider nahezu unbekannt sind, zählt zu den renommiertesten Filmemachern Koreas. Zwischen 2002 und 2004 war er zudem Kulturminister des Landes. Als Meister der ruhigen und genauen Beobachtung der koreanischen Wirklichkeit bringt er dem Zuschauer auch die Innenwelt seiner Protagonistin so nahe, dass wir schließlich die Welt mit ihren Augen sehen.
Fazit: Meisterhaft gespielt und inszeniert, entfaltet sich vor unseren Augen ein stilles Drama von großer Intensität.