Die Story: Die Mittdreißigerin Jackie arbeitet für die Glasgower Sicherheitsfirma "City Eye Control". Ihr Job ist es, sich die Live-Bilder von öffentlichen Überwachungskameras anzuschauen und im Falle eines Falles die Polizei zu alarmieren. Eines Tages erblickt sie auf einem ihrer Monitore beim Heranzoomen einen Mann, den sie eigentlich noch im Gefängnis wähnte. Clyde ist eng mit einem traumatischen Ereignis aus ihrer Vergangenheit verbunden. Zunächst spioniert Jackie ihm mit der ihr zur Verfügung stehenden Technik nach. Dann pirscht sie sich - von Rachegedanken getrieben - ganz real an ihn heran...
Die Schauspieler: Das Drama ist der erste Teil einer Trilogie, die einem von Lars von Trier, Lone Scherfig und Anders Thomas Jensen entwickelten Konzept namens "Advanced Party" folgt. Alle drei Filme haben Schottland als Schauplatz, sind gleich lang und werden von Kinodebütanten inszeniert. Außerdem spielen dieselben Darsteller immer dieselben Charaktere, die allerdings von Fall zu Fall dramaturgisch unterschiedlich gewichtet werden. Hier glänzt Kate Dickie in der Rolle der introvertierten Jackie, mit der es das Schicksal nicht gut meinte. Sie nimmt den Zuschauer so sehr für ihre Figur ein, dass man sich jedes Mal freut, wenn über ihr trauriges Gesicht ausnahmsweise ein Lächeln huscht. Auch Tony Curran (Clyde) wird seinem komplexen Part voll gerecht.
Die Regisseurin: Andrea Arnold, die bereits einen Kurzfilm-Oscar in der Tasche hat, legt mit ihrem ästhetisch und inhaltlich überzeugenden Werk, zu dem sie auch das Drehbuch schrieb, die Messlatte für ihre beiden Nachfolger hoch. Wie Jackie ihre Monitore, lässt sie ihre Protagonistin kaum einen Moment aus den Augen. Dass Jackie Furchtbares durchgemacht hat, ist offenkundig. Das ganze Ausmaß ihrer persönlichen Katastrophe und deren Details erfährt man allerdings erst gegen Ende. Fast ebenso lange bleibt man im Ungewissen darüber, was sie eigentlich plant. Beides trägt ungemein zum Spannungsaufbau bei. Zudem sorgen die Bilder der Überwachungskameras für latentes Unbehagen. Oft kommt man sich hier selbst vor wie ein Voyeur.
Fazit: Fesselndes, minimalistisches Drama mit Thriller-Charakter.