Die Story: Um an einen belgischen Pass zu kommen, hat sich die Albanerin Lorna auf eine Scheinehe mit Junkie Claudy eingelassen. Das ist allerdings nur der erste Teil eines perfiden Plans, den der skrupellose Mittelsmann Fabio ausgeheckt und dem die Emigrantin zugestimmt hat: Claudy soll mit einer Überdosis aus dem Weg geräumt werden, damit sie einen zwielichtigen Russen heiraten kann, der seinerseits die belgische Staatsbürgerschaft erlangen will - und das möglichst schnell. Mit dem Geld, das bei dem Deal fließen soll, könnte Lorna ihren Traum verwirklichen und mit ihrem Freund eine Snack-Bar eröffnen...
Die Schauspieler: Die Kosovarin Arta Dobroshi spielt die Emigrantin, die ihr Glück sucht, mit so beeindruckender Präsenz, dass man sich nur zu gut in ihre moralisch verzwickte Lage hineinversetzen kann. Umso mehr, als Jérémie Renier für den Junkie Claudy große Empathie zu wecken vermag.
Fazit: In ihrem neuen Werk, das in Cannes mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde, begeben sich die Autorenfilmer Jean-Pierre und Luc Dardenne ("Rosetta", "L'Enfant") erneut an den Rand der Gesellschaft. Und so bestimmen zunächst wirtschaftliche Zwänge das Handeln der ehrgeizigen Lorna, die sich in der Fremde eine neue Existenz aufbauen will. Die Dardennes beobachten ihre Protagonistin aus respektvoller Distanz. Präzise zeichnen sie Lornas prekäre Lebensumstände, sensibel schildern sie ihre Beziehung zu Claudy. Anfangs betrachtet sie den Junkie bloß als notwendiges Übel. Doch als er sich ernsthaft bemüht, von seiner Sucht loszukommen und sich wie ein Ertrinkender an sie klammert, entwickelt sie zunehmend Mitgefühl. Wenn sie dann verzweifelt versucht, den beschlossenen Tod ihres Zweck-Ehemanns abzuwenden, ohne dabei jedoch alle Fäden in der Hand zu haben, entwickelt das Drama einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann.