Die Story: Raus aus Österreich, rein nach Österreich: Der arbeitslose Wiener Wachmann Paul fährt mit seinem Stiefvater in die Ukraine, um dort Spielautomaten aufzustellen. Und die ukrainische Krankenschwester Olga flüchtet nach Wien, wo sie als Putzfrau in der Geriatrie landet.
Die Darsteller sind vorwiegend Laien, die zuvor noch nie vor einer Kamera standen: Der Österreicher Paul Hofmann (Paul) ist zum Beispiel tatsächlich ein arbeitsloser Herumtreiber, die Ukrainerin Ekateryna Rak (Olga) ausgebildete Krankenschwester. Daneben agieren etwa Kabarettist Dirk Stermann als Bewerbungstrainer oder Maria Hofstätter (die quasselnde Anhalterin aus "Hundstage") in der Rolle von Olgas eifersüchtiger Wiener Arbeitskollegin.
Der Co-Autor und Regisseur: Sechs Jahre nach seinem Meisterwerk "Hundstage" nimmt uns Österreichs sadistischer Humanist Ulrich Seidl erneut mit auf eine Reise in menschliche Abgründe - diesmal sogar noch härter und grotesker. Die drückende Hitze seines Spielfilm-Debüts ist einer klirrenden Kälte gewichen: "Import Export" erzählt die Geschichte zweier gegenläufiger Winterreisen. Bilder von erlesener Scheußlichkeit, Szenen von schmerzhafter Intensität: Seidl bringt das Geschehen immer wieder mit gnadenloser Präzision auf den Punkt, spitzt es satirisch zu und würzt es mit beißendem Humor oder winzigen Hoffnungsschimmern. Sein bisweilen anrührender, bisweilen verstörender Film richtet den Blick unbeirrt dorthin, wo niemand hinschauen will - doch er moralisiert nie. Gemäß seines dokumentarischen Ansatzes dreht Seidl tatsächlich in einer ukrainischen Klinik oder einem slowakischen Roma-Ghetto, in einem echten Internet-Sex-Center oder einer ranzigen Rotlicht-Bar bei normalem Arbeitsbetrieb. Alles gut und schön. Wenn er aber in einer geriatrischen Anstalt minutenlang reale Patienten filmt, die im Sterben liegen, brabbelnd oder stöhnend vor sich hin vegetieren und sich nicht mehr wehren können, überschreitet er eindeutig die Grenze des Akzeptablen.
Fazit: Ein eisiger Trip in die Abgründe der Menschen. Ein grimmiger Blick auf die Ausbeutung der Schwachen. Und ein schmerzhafter Tritt in die Weichteile der Zuschauer.