Die Story: Er ist schon ein ziemlich verrückter Vogel, dieser Hallam Foe: ein eigensinniger Träumer, der seiner verstorbenen Mutter nachtrauert, gern in ihre Kleider schlüpft und überzeugt ist, dass bei ihrem Tod seine verführerische Stiefmutter die Finger im Spiel hatte. Und ein leidenschaftlicher Voyeur, der sich mit seinem Fernglas in das Leben der anderen schleicht, aber dabei fast sein eigenes Leben vergisst, bis ... ja, bis er Kate trifft, die Personalchefin eines Hotels, die seiner Mutter täuschend ähnlich sieht: Hallam verliebt sich in sie, spioniert ihr heimlich nach - und fliegt schließlich auf ...
Die Schauspieler: Dass dieser seltsame Spinner und Spanner so sympathisch erscheint, ist vor allem das Verdienst von Jamie Bell, der vor sieben Jahren als ballettbegeisterter "Billy Elliot" die Kinozuschauer verzauberte. Nach Hollywood-Ausflügen mit "King Kong" und "Flags of our Fathers" ist "Hallam Foe" ein neuer Meilenstein in seiner Karriere - Bell vereint enormes Talent mit Temperament und verleiht der Titelfigur viel vitalen Charme. Ihm ebenbürtig: die britische Charakterdarstellerin Sophia Myles ("Underworld"), die in der ebenso vielschichtigen und zerrissenen Rolle der Kate zugleich tough und verletzlich wirkt - zum Verlieben! Aber auch kleinste Nebenrollen sind hier großartig besetzt, etwa mit Claire Forlani ("Rendezvous mit Joe Black") als Sexy-Hexy-Stiefmutter.
Der Co-Autor und Regisseur: Der Schotte David Mackenzie, international bekannt geworden durch sein düsteres Drama "Young Adam" mit Ewan McGregor, inszeniert die durchgeknallte Geschichte als eine Mischung aus "Hamlet" und Hitchcock-Krimi - mit einer bewundernswerten Balance zwischen Komik und Tragik und viel Platz für Melancholie, Romantik und Sex. Weitere Hauptrollen im Film spielen die Stadt Edinburgh mit ihren gotischen Reizen sowie ein fantastischer Soundtrack, klug zusammengestellt aus dem Repertoire des Britpop-Labels Domino Records (darunter Bands wie Clinic und Franz Ferdinand), der die Atmosphäre prägt, für Dynamik sorgt und auf der diesjährigen Berlinale mit dem Silbernen Bären für die beste Filmmusik ausgezeichnet wurde.
Fazit: Ein hinreißender Film übers Erwachsenwerden und die erste Liebe - humorvoll, anrührend und erfrischend originell.