Die Story führt mitten hinein in die Schule eines Pariser Multi-Kulti-Viertels, das als sozialer Brennpunkt gilt. Im Zentrum des Films stehen der Klassenlehrer François und seine 13- bis 15-jährigen Schüler, viele von ihnen Migrantenkinder. Schlaglichtartig wird der Verlauf eines Schuljahres beleuchtet - was wesentlich spannender ist, als es sich anhört.
Die Schauspieler: François Bégaudeau brilliert nicht nur in der Hauptrolle mit authentischem Spiel, der ehemalige Lehrer schrieb auch den Roman, der dem Doku-Drama zugrunde lag. Ebenso wie die gleichfalls grandiosen, in Workshops auf ihren Einsatz vorbereiteten und vollkommen natürlich wirkenden Schüler-Darsteller, verfügte er zuvor über keinerlei schauspielerische Erfahrung.
Der Regisseur: Laurent Cantet ("Auszeit", "In den Süden") beschränkt sich im Wesentlichen auf drei Schauplätze: den Klassenraum, in dem François seine Schüler unterrichtet, das Lehrerzimmer und den Schulhof. Sehr lebensecht dokumentiert er die mal mehr, mal weniger erfolgreiche Arbeit des engagierten Pädagogen. François versucht, seinen Eleven auf Augenhöhe zu begegnen, und bemüht sich, auf sie einzugehen. Gleichzeitig ist er darauf bedacht, seine Autorität zu wahren. Eine äußerst schwierige Gratwanderung - zumal er nicht fehlerfrei agiert. Im Verlauf des Unterrichtsgeschehens gewinnen dann auch die Schüler, unter denen es häufig zu Reibereien, mitunter aber auch zu gegenseitigen Solidaritätsbekundungen kommt, zunehmend an Profil - etwa die selbstbewusste tunesisch-stämmige Esmeralda, die ihrem Lehrer gern Kontra gibt, oder der lernunwillige Souleymane aus Mali, der sich einen Ausrutscher zu viel leistet. Obwohl nichts wirklich Spektakuläres passiert, wird man dank Cantets kluger Regie und des emotional fesselnden Spiels sämtlicher Darsteller förmlich in den Klassenmikrokosmos hineingesogen. Entsprechend ungern verlässt man ihn nach zwei intensiv mitdurchlebten Stunden wieder. Nicht von ungefähr gewann der Film im vergangenen Jahr in Cannes die Goldene Palme.
Fazit: Klasse!