Die (wahre) Story: Als Star-Kolumnist Steve Lopez (Robert Downey jr.) den Obdachlosen Nathaniel Anthony Ayers (Jamie Foxx) trifft, wittert er sofort eine prestigeträchtige Story. Der autistische, wirr vor sich hinplappernde Stadtstreicher entlockt seiner schrottreifen Geige nämlich die wundervollsten Töne. Recherchen ergeben, dass Nathaniel einst als Cello-Wunderkind galt, bevor die Krankheit ein Fördern seines Talents unmöglich machte. Begleitet von täglichen Zeitungsberichten hilft Steve seinem Schützling langsam auf die Beine. Doch bei einem eilig anberaumten Konzert kommt es zum Eklat. Steve muss einsehen, dass er Nathaniels bewegende Biografie nicht für seine eigenen Zwecke missbrauchen darf.
Die Schauspieler: Der echte Steve Lopez verhielt sich gegenüber Nathaniel von Anfang an korrekt. Doch Hollywood verlangt nun mal, dass der Held eine Läuterung erfahren muss. Deshalb verkörpert Robert Downey jr. ("Iron Man") den Schreiberling zunächst als egoistischen Arsch, um dann aus heiterem Himmel zum Philanthropen zu mutieren. Jamie Foxx ("Ray") bringt Nathaniels wirren, sich selbst überholenden Sprachduktus perfekt rüber. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass sich der Oscarpreisträger seiner Figur auf einer rein technischen Ebene annähert.
Der Regisseur: Das Thema, die Darsteller und das Prädikat "Nach einer wahren Geschichte" - alles an "Der Solist" schreit geradezu nach einem Oscar. Doch in der anstehenden Award-Saison wird der Film dennoch leer ausgehen. Zu offensichtlich ging es den Machern um Regisseur Joe Wright ("Abbitte") nur um das eigene Prestige, war kühle Kalkulation statt mitfühlender Menschlichkeit Triebfeder des Projekts. Schade um zwei ansonsten großartige Schauspieler.
Fazit: Kitschig statt besinnlich - das filmische Pendant zur Coca-Cola-Weihnacht.