Die Story: In den 1960er Jahren sucht der litauische Journalist Jonas Shtrom (Ulrich Tukur) nach Beweisen gegen einen ehemaligen Mitschüler, der zu Zeiten des Nationalsozialismus neben anderen Juden auch Jonas' Vater erschlagen hat. In den 80ern bastelt Langzeitstudent Ratz (Helmut Köpping), der mit seinem karrieregeilen Minister-Papa (Christian Tramitz) im Dauer-Clinch liegt, an einem Computerspiel, bei dem man nicht gesichtslose Feinde, sondern tausendfach den eigenen Vater niedermetzelt. Um von Zu Hause wegzukommen, nimmt er das Angebot einer früheren Kommilitonin (Sabine Timoteo) an, in New York einen Keller für ihren Großvater auszubauen. Was Ratz nicht weiß: Der schweigsame Greis ist ein noch immer gesuchter Kriegsverbrecher, der bis heute keine Reue zeigt ...
Die Schauspieler: Auch wenn er total gegen den Strich besetzt ist, begeistert Comedian Christian Tramitz ("Der Schuh des Manitu") als Politik-Womanizer, dessen Frauengeschichten ihn seine Familie gekostet haben. "Der freie Wille"-Aktrice Sabine Timoteo errichtet als Femme Fatale mit Frisurentick eine undurchsichtige Aura um sich. Und dafür, dass sie eigentlich nur daraus besteht, wie er eine Anklage zu Protokoll gibt, holt auch Ulrich Tukur ("John Rabe") überraschend viel aus seiner Rolle heraus.
Der Regisseur: Ein Krimi in den 60ern, ein Drama in den 80ern, ein Killerspiel, ein parlamentarischer Frauenheld, Inzest und Verbrechen im Dritten Reich - "Das Vaterspiel" verwebt die verschiedenen Zeitebenen und Topics, ohne dem Zuschauer die Aufgabe des Entschlüsselns abzunehmen. Dass dieses Allein-gelassen-Sein nicht in Frustration umschlägt, ist Regisseur Michael Glawogger ("Workingman's Death", "Contact High") zu verdanken: Mit seiner stilsicheren, rhythmischen Inszenierung hält er das Interesse an den Figuren trotz der vielen Sprünge wach.
Fazit: Faszinierendes Themen-Potpourri.