Die Story: Marie ist mit dem Musiker Thomas verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder. Eines Morgens macht sich die kleine Leonie einen Spaß daraus, das Instrument aus dem Geigenkasten ihres Vaters herauszunehmen und stattdessen eine Puppe hineinzulegen. Marie bemerkt den Streich und radelt ihrem Mann hinterher. Dieser fährt nicht wie angekündigt zur Musikhalle, sondern hält vor einem fremden Haus. Thomas führt ein Doppelleben, er hat zwei Familien in derselben Stadt ...
Die Schauspieler: Im ersten Moment scheint es unmöglich, sich als Außenstehender in Maries Extremsituation hineinzuversetzen. Dennoch gelingt es der großartigen Nina Hoss ("Yella"), die kollabierte Gefühlswelt der Protagonistin intensiv und nachvollziehbar auszudrücken. Devid Striesow macht nicht den Fehler, Thomas als egoistisches Monster abzustempeln. Stattdessen zeichnet er das präzise Porträt eines Scheiternden.
Die Regisseurin: Auch wenn die Story es vermuten ließe, hat Nicolette Krebitz ("Jeans") kein herkömmliches Beziehungsdrama abgeliefert. Zwar verläuft der Film zunächst in gewohnten Bahnen, dies aber auch nur, damit das Folgende noch mehr zu überraschen vermag. Um Thomas zur Rede zu stellen, schleicht sich Marie auf einen privaten Kostümball in einer großbürgerlichen Villa. Von da an inszeniert Krebitz das bunte Treiben als opulenten Reigen mit surrealen Einschüben, der im krassen Widerspruch zum bodenständigen Beginn steht und in seinen stärksten Momenten gar an Stanley Kubricks Meisterwerk "Eyes Wide Shut" erinnert. Das kleine Doppelehe-Drama nimmt nach und nach immer mehr die Form einer ausgewachsenen griechischen Tragödie an, deren bitteres Finale den Zuschauer wie ein Schlag in die Magengrube trifft.
Fazit: Ein aufregend anderer Film.