Die Story: Nach 35 Jahren harter Arbeit auf einer Werft im südfranzösischen Sète wird Slimane ausgemustert. Nichtstun kommt für den 60-jährigen Immigranten aus dem Maghreb allerdings nicht in Frage. Er möchte auf einem alten Kahn ein Couscous-Restaurant eröffnen. Die junge Rym, die Tochter seiner Geliebten, begleitet ihn beim notwendigen Banken- und Behördenparcours. Bald unterstützt auch seine Familie, zu der er trotz Scheidung von seiner Frau noch engen Kontakt hält, das Vorhaben nach besten Kräften.
Die Schauspieler: Das aus Laien und Profis bestehende Ensemble ist grandios. Nicht einmal dem Hauptdarsteller Habib Boufares merkt man die fehlende Kamera-Erfahrung an. Den stärksten Eindruck hinterlässt Hafsia Herzi als Rym, die mit jugendlichem Elan das Projekt ihres Ersatzvaters vorantreibt. Für ihre Leistung erhielt sie den César - und das sicher nicht nur wegen ihres ausgesprochen lasziven Bauchtanzes.
Der tunesischstämmige Autor und Regisseur Abdellatif Kechiche ("Voltaire ist schuld") heimste gleich drei der begehrten französischen Filmpreise ein: für den besten Film, die beste Regie und das beste Originaldrehbuch. Er wollte, dass sein Werk so wahrhaftig wie möglich wirkt. Diesem Authentizitätsanspruch wird er mehr als gerecht. So zeigt er etwa ein familiäres Sonntagsmahl fast in Echtzeit. Ein anderes Mal wird man Zeuge eines mehrere Minuten dauernden Gefühlsausbruchs von Slimanes Schwiegertochter, die sich bitter über die Untreue ihres Mannes beklagt. Solche Szenen saugen den Zuschauer förmlich in den Mikrokosmos der Großfamilie hinein. Umso stärker zittert man mit, wenn das Unternehmen "Couscous mit Fisch" letztlich zu scheitern droht.
Fazit: Warmherziges Familiendrama mit offenem Ausgang.