Die Story: Die Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Soldaten der Roten Armee wurden lange tabuisiert. Und so war bei uns 1958 die Zeit für eine Auseinandersetzung mit dem Thema offenbar noch nicht reif, als diesbezügliche Tagebuchaufzeichnungen einer bis zu ihrem Tod inkognito gebliebenen Journalistin erstmals auf Deutsch erschienen. Erst bei seiner Neuauflage 2003 fand das literarische Werk größere Resonanz. Der Film orientiert sich an den Aufzeichnungen der "Anonyma": Für die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Berlin einrückenden Sowjetsoldaten sind die in der Stadt gebliebenen Frauen sozusagen Freiwild. Auch Anonyma wird ein Opfer sexueller Gewalt. In ihrer Not macht sie sich auf die Suche nach einem russischen Offizier, der sie vor den Übergriffen schützen könnte und mit dem sie als Gegenleistung freiwillig schlafen würde - und findet ihn in Andrej. Zwischen den beiden entwickelt sich sogar eine liebesähnliche Beziehung.
Die Schauspieler: Nina Hoss spielt die Titelfigur als starke Frau, die sich nicht mit ihrer Opferrolle abfinden und ihre Würde so gut es geht bewahren will. Evgeny Sidikhin verleiht dem Offizier Andrej, der seine Frau im Krieg verlor, tiefe melancholische Züge.
Der Regisseur : Max Färberböck ("Aimée und Jaguar") gelingt ein schwieriger Spagat: Er schildert ausgiebig die von den Rotarmisten begangenen Gräueltaten (ohne jedoch bei den Vergewaltigungsszenen allzu drastisch zu werden), lässt dabei aber nie vergessen, wer den Krieg letztlich angezettelt hat. Darüber hinaus zeichnet er ein differenziertes Bild von Siegern und Besiegten. Die Russen zeigt er nicht bloß als gefühllose Berserker, sondern auch als durch ihre Kriegserfahrungen traumatisierte Männer. Bei den Deutschen konzentriert er sich auf Anonyma und ihre Hausnachbarn - ein Kaleidoskop unterschiedlicher Charaktere, von denen jeder auf seine Weise mit der ständigen Angst umgeht und sich mit den Besatzern zu arrangieren versucht.