Die Story: Im 3. Jahrhundert nach Christus ist Hypatia eine der ersten Frauen, die ihr Leben der Wissenschaft gewidmet hat. Als begeisterte Astronomin unterrichtet sie Philosophie an der berühmten Bibliothek von Alexandria. Solch lapidare Probleme wie die zwei Männer, der Sklave Davus und ihr Schüler Orestes, die sich gleichzeitig in sie verlieben, handelt sie mit links. Doch als die Christen die Macht übernehmen, gerät die überzeugte Atheistin zunehmend in die Bredouille ...
Die Schauspieler: Es ist immer eine Freude, Rachel Weisz (Oscar für „Der ewige Gärtner“) bei der Arbeit zuzuschauen. Doch in diesem Fall gibt ihr das Drehbuch zu wenig an die Hand, um aus Hypatia einen runden Charakter zu machen. Es wird schlicht nicht deutlich, warum sie sich nicht einfach taufen lässt, um dann in Ruhe weiterforschen zu können. Auch Max Minghella als Davus ringt mit einem Glaubwürdigkeitsproblem: Mit seinem perfekten Teint erinnert er eher an einen Poster Boy als an einen römischen Sklaven.
Der Regisseur: Nach dem Auslands-Oscar für seinen letzten Film, das berührende Euthanasie-Drama „Das Meer in mir“ mit Javier Bardem als querschnittsgelähmtem Sterbewilligen, durfte der Chilene Alejandro Amenábar diesmal aus dem Vollen schöpfen. Mit einem geschätzten Budget von 73 Millionen Dollar ist „Agora“ eine der teuersten europäischen Produktionen aller Zeiten, und die ausladenden Kamerafahrten über das antike Alexandria sind – auch wenn sie ein wenig an Google Earth gemahnen – wahrlich atemberaubend. Doch gerät die Story über diesen Ausstattungswahn mitunter arg in den Hintergrund und das Schicksal von Hypatia lässt den Zuschauer trotz aller Tragik merkwürdig kalt.
Fazit: Die Neuerschaffung des alten Ägypten ist makellos, doch inhaltlich kratzt der Film nur an der Oberfläche.