Die Story: Rumänien, während des Ceauess¸cu-Regimes: Eine Abtreibung ist illegal, höchst gefährlich und mit drakonischen Gefängnisstrafen bedroht. Die naive, unbeholfene Studentin Gabita (Laura Vasiliu) will es dennoch wagen. Ihre pragmatische, kämpferische Freundin Otilia (Anamaria Marinca) organisiert das nötige Geld, ein Hotelzimmer und einen Engelmacher (Vlad Ivanov). Der entpuppt sich jedoch als schmieriger Widerling: Eiskalt verlangt er Sex von den beiden Mädchen. In ihrer Verzweiflung lassen sie sich darauf ein. Das ist allerdings erst der Beginn ihres Höllentrips ...
Die Schauspieler kennt man außerhalb Rumäniens noch nicht - mit Ausnahme von Anamaria Marinca, die für ihre Rolle in der britischen TV-Serie "Sex Traffic" bereits mehrere Preise bekommen hat. Alle drei Hauptdarsteller sind fabelhaft; sie agieren stets ungekünstelt und ungeschminkt und beweisen in quälend langen Einstellungen viel Mut zu körperlicher und emotionaler Entblößung.
Der Autor und Regisseur: Der Rumäne Cristian Mungiu ("Okzident") erzählt eine schockierend realistische Alltagsgeschichte aus der Zeit der kommunistischen Diktatur, während deren rund 500000 Frauen an den Folgen illegaler Abtreibungen starben. Er animierte seine Schauspieler zu Höchstleistungen, indem er sämtliche Szenen jeweils in einer einzigen Einstellung drehte - ohne Kameraschwenks, quasi dokumentarisch, oft bis über die Schmerzgrenze hinaus. Dabei verzichtet Mungiu konsequent auf Pathos und Voyeurismus. Und er findet klar strukturierte, trostlose, beklemmende Bilder, die einen lange nicht mehr loslassen.
Fazit: Düsteres, verstörendes, erschütterndes Abtreibungsdrama, gnadenlos präzise inszeniert - ein würdiger Preisträger.