Die Story: Einst trank ein Piratenkapitän 35 Rum, weil er seine Tochter, das Liebste in seinem Leben, hergeben musste. Ähnliches macht nun auch der Zugführer Lionel durch, der seit dem Tod seiner Frau seine Tochter Joséphine allein aufzieht. Die beiden bilden ein inniges Team - auch wenn in der Welt nichts mehr sicher scheint, können sie sich zumindest aufeinander blind verlassen. Aber jetzt hat Joséphine angefangen zu studieren und wird bald ihren eigenen Weg gehen. Für Vater und Tochter bedeutet dies einen schwierigen Schritt raus aus dem behüteten Nest, in dem sie sich in ihren gemeinsamen Jahren eingerichtet haben ...
Die Schauspieler: Während Alex Descas, der den Vater verkörpert, schon oft mit Claire Denis zusammengearbeitet hat, absolviert die junge Mati Diop hier ihren ersten Kinoauftritt. Beide spielen ungemein zurückgenommen, fast schon abwesend. Trotzdem versteht man sofort, was sie fühlen und welche inneren Konflikte sie austragen. Das ist große Schauspielkunst voll leiser Zwischentöne.
Die Regisseurin: Claire Denis hat das Regie-Handwerk bei zwei ganz großen ihres Fachs erlernt. In den 1980er Jahren assistierte sie Wim Wenders bei "Paris, Texas" und Jim Jarmusch bei "Down By Law". Mittlerweile gehört sie selbst zu den Stars der europäischen Arthouse-Szene. Dabei ist Denis mehr Poetin als Geschichtenerzählerin. Ihre Spezialität ist es, Bilder, Musik und Schauspiel zu intensiven Stimmungen zu verdichten. Genau wie ihre früheren Filme lebt auch "35 Rum" deshalb nur in zweiter Linie von der Story: Vornean steht die einzigartige Atmosphäre.
Fazit: Ein leises, poetisches Drama voller warmherziger Melancholie.