Millionengrab Domplatz. Monatelang schrieb sich der Senat die geplante und äußerst umstrittene Bebauung des historischen Ortes mit einem Glaspalast auf die Fahnen. Nun kommt heraus: Nachdem die Träume geplatzt sind und die Bebauung mal wieder ad acta gelegt wurde, kommen Kosten in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro auf die Stadt Hamburg zu. Steuergelder, die in den Wind geschossen wurden.
Aus einer Senatsanfrage der SPD geht hervor: Allein 220000 Euro müssen für die Machbarkeitsstudie, die Ausschreibung, für Architektenleistungen und Rechtsberatung auf den Tisch gelegt werden. Zudem hatte sich Hamburg im Rahmen einer Kostenübernahmevereinbarung verpflichtet, bis zu 2,4 Millionen Euro an die Investoren der Projektentwicklungssgesellschaft Domplatz (PEG) zu erstatten. "Die genauen Kosten werden zurzeit berechnet", so ein Sprecher der Finanzbehörde. Hintergrund des Desasters: Wegen explodierender Kosten hatte der Senat das Projekt Domplatz Ende Dezember auf Eis gelegt. Stattdessen favorisiert man nun offenbar die Nutzung des Platzes als archäologischen Park. "Ich bin sicher, dass wir nächstes Jahr zu einer Lösung kommen", hatte Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) erst vor zwei Wochen gesagt. Zunächst müsste wohl erneut ein Wettbewerb stattfinden. Die SPD tobt: "Der Bürgermeister hat die Domplatzbebauung zur Chefsache gemacht. Und er hat viel zu lange an einem Architekturentwurf festgehalten, den in Hamburg kaum jemand wollte", so Fraktionschef Michael Neumann. Auch FDP-Landeschef Wieland Schinnenburg fällt ein vernichtendes Urteil: "Der Domplatz wird nach Elbphilharmonie und Messe zu einem weiteren Symbol der Misswirtschaft des CDU-Senats." Man könnte über die Pannen lachen, wenn nicht der Steuerzahler die Zeche zahlen müsste.
Wie es jetzt mit dem Domplatz weitergehen soll? Stadtentwicklungssenator Michael Freytag: "Eine Auszeit tut uns allen gut. Zu einem späteren Zeitpunkt können Alternativen neu geprüft werden." Der Chef der Elbliberalen heizt die Diskussion mit einem neuen Vorschlag an. Wieland Schinnenburg: "Ich könnte mir auch vorstellen, dass dort der Sitz des Landtags eines künftigen Nordstaats entsteht."