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DOMENICA

Mit Leib und Seele Hure

Nur weil man in einem katholischen Waisenhaus aufwächst, muss man nicht unbedingt solide werden. Domenica stammt aus einer solchen Einrichtung, sie wurde die berühmteste Hure der Stadt, vielleicht sogar des ganzen Landes. Sie war schon 27 Jahre alt, als sie das erste Mal ihren Körper verkaufte - und hatte bereits einige Schicksalsschläge hinter sich.



Geboren wird Domenica Niehoff am 3. August 1945 in Köln, ihr Vater ist Italiener. Übersetzt bedeutet ihr Name "Sonntag". Die Mutter trennt sich von dem gewalttätigen Mann, Domenica und ihre zwei Geschwister wachsen im Heim auf. Eine Kaufmannslehre bricht sie ab. Mit 17 Jahren lernt Domenica den Bordellbesitzer Kuno kennen, der 20 Jahre älter ist als sie. Sie heiraten. Zehn Jahre später erschießt er sich vor ihren Augen - und Domenica entdeckt das Rotlichtmilieu.



"Ich hatte nichts, stand auf der Straße. Vorher war ich Luxus gewöhnt: Champagner, Schmuck, Pelze. Das wollte ich wiederhaben. Und die Szene kannte ich von Kuno. Da war der Weg, anschaffen zu gehen, nicht weit", erzählte sie später.



1972 fängt sie auf St. Pauli an, sie arbeitet in einem Großbordell und in der Herbertstraße. Ihr Markenzeichen: die streng zurückgekämmten Haare und ihr Busen. "Auf ihre Oberweite waren die Männer total wild", erinnert sich der ehemalige Zuhälter Klaus Barkowsky (damaliger Spitzname: "der schöne Klaus"). Kein Wunder: Domenica brachte es auf beachtliche 122 Zentimeter Busen-Umfang.



Mit 35 Jahren macht sich Domenica mit einem Bordell in der Herbertstraße selbstständig. Wie viele Männer sie in ihrem Leben hatte, das behielt sie lieber für sich. Nur so viel: "Es gab solche und solche Freier. Alle Schichten. Sie waren winselnd, bettelnd, fordernd, gemein. Brav, lieb, reich, arm, jung, alt. Ich hatte alles", sagte sie im Sommer 2008 in einem Interview.



Ende der 70er Jahre beginnt sie, sich für die Rechte von Prostituierten einzusetzen. Eine Hure, die sich öffentlich zu ihrem Job bekennt - so etwas hatte es noch nicht gegeben. Domenica zieht durch Talkshows, durch die Medien wird sie in den 80er Jahren deutschlandweit berühmt. Und man sieht sie immer häufiger mit Prominenten an der Seite.



Warum die Hure plötzlich von der Hamburger Gesellschaft umschwärmt wird? "Sie hatte immer Geschichten zu erzählen. Und man hat sich gern mit ihr sehen lassen, weil sie häufig in der Zeitung stand", erinnert sich Ex-Lude Klaus Barkowsky. Schauspieler und Sänger schmücken sich mit ihr. Sogar der Adel zieht an ihrem Fenster in der Herbertstraße vorbei: "Das tollste Bild war ja mal wirklich, dass 50 Mann durch die Herbertstraße gehen - angeführt von Johannes von Thurn und Taxis, Enno von Preußen und Hohenzollern und Bismarck und Flick", erzählte Domenica mal.



Mit 45 Jahren hat sie von dem Gewerbe genug, sie steigt aus. Das war 1990. Auf die Zeit als Hure blickt sie mit Bitterkeit zurück. "Sie war wütend auf diejenigen, die die Prostitution glorifiziert haben", sagt der befreundete Kiez-Fotograf Günter Zint, mit dem Domenica bis zu ihrem Tod an ihren Memoiren gearbeitet hatte. In dem Buch wollte sie über die Schattenseiten dieses Jobs aufklären.



Zuletzt hat die zuckerkranke 63-Jährige in einer Sozialwohnung an der Talstraße gelebt. Ihre Freunde vom "St. Pauli Museum" setzen sich nun für sie ein. "Wir wollen keine Beerdigung durch das Sozialamt, sondern eine würdige Feier organisieren", sagt Günter Zint. Einen Termin gibt es noch nicht.



Den Sarg spendiert das Beerdigungsinstitut GBI. Das Museum bittet um Spenden für die Beerdigung auf das Anderkonto von Vorstandsmitglied Manfred Getzmann (siehe Kasten). Die Trauerfeier soll in der St. Pauli-Kirche stattfinden, und es ist ein Trauermarsch geplant. Und an Domenicas Grab soll das Lied "La Paloma" erklingen.

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Datum:  14.2.2009
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