Die Porträtierten: Ein Foto aus dem Jahr 1972 zeigt Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler, die sich Ende der 60er als Anwälte der linken Außerparlamentarischen Opposition (APO) einen Namen machten, zusammen in einem Gerichtssaal. Der Hintergrund: Schily und Ströbele haben die Verteidigung ihres einstigen Kompagnons übernommen, dem als RAF-Mitglied wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung der Prozess gemacht wird. Mahler wird für zehn Jahre hinter Gitter wandern. Heute ist Schily SPD-Bundesinnenminister a. D., Ströbele das linke Gewissen der Grünen im Bundestag, und der mittlerweile zu einem Exponenten der rechtsextremen Szene mutierte Mahler sitzt wieder einmal im Knast - diesmal als Holocaust-Leugner.
Die Regisseurin: Das Gerichtssaal-Foto als Ausgangspunkt nehmend, verfolgt Birgit Schulz die spannenden Biografien der drei Porträtierten, die einst im sozialistischen "Anwaltskollektiv 1" zusammenarbeiteten und sich heute aus dem Weg gehen. Formal recht konventionell kombiniert sie dabei in klassischer Doku-Manier Archivmaterial mit Interviewpassagen. Bei den Gesprächen steht natürlich die Frage im Raum, wie der anfänglich noch gemeinsam ausgefochtene Kampf für eine bessere (linke) Welt zu so unterschiedlichen Lebensläufen führen konnte. Was etwa trieb den früheren Terroristen-Anwalt und Grünen-Mitstreiter Schily dazu, sich in seinem Innenminister-Amt als harter Law-and-Order-Mann zu gerieren? Warum wurde Mahler vom Links- zum Rechtsradikalen? Dass keiner der Befragten Brüche in seiner Biografie erkennen mag, erscheint in Ströbeles Fall noch am plausibelsten. Bei den beiden anderen wäre zu wünschen gewesen, die Regisseurin hätte öfter mal nachgehakt.