Das Thema: Ein Friedhofsverein wollten die Mitglieder der "Mount Herzl Academy" eigentlich nicht sein. Doch bis vor Kurzem tagten sie nun einmal jeden Sabbat um halb elf unweit des Nationalfriedhofs Mount Herzl und zogen zuvor - mit ihren Plastik-Klappstühlen und Essensboxen unterm Arm - am Grab des Wegbereiters des politischen Zionismus vorbei. Inzwischen finden die wöchentlichen Treffen der teils hochbetagten Holocaust-Überlebenden deutscher und polnischer Herkunft in einem Pflegeheim statt. Eine Satzung hat man sich gegeben, in der unter anderem festgelegt ist, dass über politische und kulturelle Themen debattiert werden soll. Und dies wird denn auch mit großem Eifer getan. Man rezitiert Schiller- oder Kästner-Gedichte, erinnert sich an die Nazi-Gräuel, übt Kritik an der israelischen Besatzung palästinensischer Gebiete.
Die Regisseurin: Fünf Jahre lang hat die Dokumentarfilmerin Tali Shemesh vor allem zwei Mitglieder der "Mount Herzl Academy" begleitet: ihre eigene Großmutter, die 85-jährige Minya Rubin, sowie deren Schwägerin, die 80-jährige Lena Bar. Von Letzterer, die in den 50er Jahren ihre Kinder ins Waisenhaus gab, um studieren zu können, und die als Juristin Karriere machte, hat Shemesh am meisten erfahren: wie sie einst aus Vernunft heiratete und wie sehr es sie schmerzt, dass sie seit mehr als zehn Jahren nichts mehr von ihrem Sohn gehört hat.
Fazit: Teils ernsthaftes, teils humorvoll anrührendes Gruppenporträt, das einen neuen Zugang zu einem derzeit viel bearbeiteten Thema bietet.