Das Thema: Jonathan Caouette dokumentiert von Kindesbeinen an sein Leben. Für seinen Film "Tarnation", was sich mit "Verdammung" übersetzen ließe, hat der mittlerweile 33-Jährige auf sein gesamtes, in 22 Jahren angehäuftes Material aus Schnappschüssen, Super-8-Homemovies, Video-Tagebüchern, frühen Kurzfilmen und Anrufbeantworter-Nachrichten zurückgegriffen. Herausgekommen ist eine zuweilen experimentell anmutende Collage eines außerordentlich schwierigen Lebens: Weil seine Mutter Renee Anfang der 80er Jahre in die geschlossene Psychiatrie kommt, wächst Jonathan bei seinen Großeltern und in verschiedenen Pflegeheimen auf. Mit 20 bricht er aus der provinziellen Enge von Texas aus und findet in New York rasch seine - schwule - Identität. Durch viele Gespräche gelingt Caouette eine erneute Annäherung an seine Mutter, die sichtlich an den Folgen von Elektroschockbehandlungen leidet. Der Filmemacher nimmt sie schließlich mit zu sich nach New York, wo sich ihr Zustand langsam zu verbessern scheint.
Fazit: Ein im wahrsten Sinne des Wortes persönlicher Dokumentarfilm, den der Regisseur aus unzähligen kleinen Schnipseln seines Lebens zusammengesetzt hat. Etwas störend ins Gewicht fällt allerdings, dass Jonathan Caouette Teile seines an sich faszinierenden Materials auf den unmittelbaren emotionalen Effekt hin ausschlachtet.