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Aus der Ferne

Das Thema und der Regisseur: Seit 20 Jahren ist Thomas Arslan nicht mehr in der Türkei gewesen. Der Sohn eines Türken und einer Deutschen ging in Ankara zur Grundschule. Dann zogen die Eltern nach Braunschweig, und die Wurzeln in die Heimat wurden gekappt. Nun ist der junge Dokumentarfilmer ins Land seines Vaters zurückgekehrt: 2000 Kilometer reiste Arslan von Istanbul über Gaziantep bis an die iranische Grenze. Dabei hat er Bilder eingefangen, die keins der gängigen Türkei-Klischees bestätigen, sondern einfach für sich stehen: Menschenmassen in einer Bahnhofshalle in Istanbul. Mädchen, die auf der Straße Kreuzworträtsel lösen. Paare im Autoscooter. Ein Schlachter im "Slayer"-T-Shirt auf einem Kleinstadt-Markt.



"Aus der Ferne" ist kein Film über ein exotisches Urlaubsparadies. Er handelt nicht von einem Land zwischen Orient und Okzident oder einer Gesellschaft zwischen Tradition und Moderne. "Es ging mir darum, das tausendmal Gezeigte auszulassen", sagt Arslan. "Der Ausgangspunkt für diesen Film ist, dass man überhaupt mal ein Bild kriegt, das nicht die bloße Illusion von etwas Vorgewusstem ist."



Und so hält sich Arslan an Bilder aus dem Alltag. Die Interpretation überlässt er dem Zuschauer: Weite Strecken des Films sind unkommentiert, nur manchmal informiert der Regisseur in wenigen Worten über die Schauplätze und ihre Geschichte. Dass Arslan selbst Wurzeln in der Türkei hat, wird nur kurz zum Thema: Im einzigen Interview des Films befragt er seine Tante nach ihrer Kindheit und Jugend in Ankara.



Weil Thomas Arslan als Fremder in der Türkei einen besonderen Blick auf das Land und seine Bewohner hat, ist er ein idealer Beobachter: geduldig, neugierig und trotzdem distanziert. Nach und nach setzt sich aus den Szenen das Porträt einer widersprüchlichen Gesellschaft zusammen. Wie enorm die Unterschiede zwischen Istanbul und dem armen Osten des Landes sind, wie der Krieg gegen die PKK die Türkei geprägt hat, welche Paradoxien es im Verhältnis von Männern und Frauen gibt - das alles kann der aufmerksame Zuschauer aus den Bildern herauslesen. Bequem ist das nicht. Aber die Mühe lohnt sich.



Fazit: Ein ungewöhnlicher, sehr gelungener Film, der dem Publikum selbständiges Sehen und Denken abverlangt.

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Datum:  10.8.2006
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Julia Sextl

Relativ häufig muss ich kurzfristig ein Taxi bestellen, um noch pünktlich zu einem Termin zu kommen. Meistens stehe ich schon auf der Straße, wenn der Wagen