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Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 17.8.2009

DOCKVILLE: Woodstock in Wilhelmsburg

Es ist ein schrecklich alter Hut, das Pop- und Mode-Kultur alle Jahre wiedergekäut wird. Wie auch am Wochenende auf dem Dockville-Festival zu beobachten war: Ein Hauch von Woodstock lag über Wilhelmsburg - auf den Tag genau 40 Jahre nach der Mutter aller Rockfestivals. Bis zu 15000 Menschen pilgerten an den drei Tagen auf die Elbinsel. Und es mutete tatsächlich wie eine Hippie-Hommage an: Zahlreiche Mädchen hatten sich Blumen ins Haar geflochten oder zäumten dieses (eine Reminiszenz an Marie Versini?) mit Kopfbändern im Nscho-tschi-Look. Dass die Jungs sich mit Federn schmückten, wunderte da niemanden mehr.



Rausgeputzt hatte sich aber auch das Festival-Gelände. Dort, wo sonst Industrieödnis brachliegt, fanden die Festival-Besucher nun - eingerahmt von Speichern, Hebebrücken und Windrädern - großformatige Kunstinstallationen und von Baum- und Strauchwerk eingebettete Bühnen vor. Vier waren es in diesem Jahr - und die boten vor allem am Sonnabend ein pralles Programm.



Auf der Hauptbühne stimmten am Sonnabend Element Of Crime auf eine von sich selbst berauschte Nacht ein. "Romantik!", brüllte Sänger und Bestseller-Autor Sven Regener ("Herr Lehmann") zwischen den melancholischen Songs des im September erscheinenden Albums "Immer da wo du bist bin ich nie" mit gegerbter Röhre - da staunte die jungen Neo-Hippies nicht schlecht. Im Anschluss begeisterten The Whitest Boy Alive mit dem sympathisch-charismatischen Frontmann Erlend Øye die Zuschauer mit ihrem tänzelnden Jazz-Rock - der eigentliche Höhepunkt des Abends.



Denn enttäuschend war das, was der vermeintliche Headliner MGMT auf der Bühne veranstaltete. Mittelprächtig motiviert legte die New Yorker Indieelektro-Band, Mitbegründer des popkulturellen Hippie-Chic, eine müde Show hin - um beim finalen Hit "Kids" von der eigens einstudierten Choreografie von Wilhelmsburger Schülern in den Schatten gestellt zu werden.



Eine nette Idee war das gleichwohl. Wie auch der Poetry-Slam gestern Nachmittag auf der Hauptbühne. Der abendliche Abschluss blieb den Lokalhelden vorbehalten: Kettcar lieferten noch einmal den perfekten Sound zur Sonnenuntergangsstimmung. Und sorgten so auch unter den älteren Blumenkindern im Publikum für schwelgerische Blicke.

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