Z ynismus oder Anpassung an die Realität? Versicherer bieten jetzt auch in Deutschland Policen an, bei denen sich eine ungesunde Lebensweise auszahlt. Wer raucht, übermäßig fett isst und daher schlechte Blutwerte hat, kann monatlich eine höhere Zusatzrente einsacken.
"Rauchen für mehr Rente? Genießen Sie Ihr Leben - unsere Policen passen sich Ihnen an!", bewerben etwa die Alternative Investments Deutschland, der deutsche Vertriebsarm des liechtensteinischen Lebensversicherers "Quantum Leben", ihre "IndividualRente". Wer 15 Zigaretten und mehr am Tag raucht oder wem die Waage astronomische Zahlen anzeigt, der kann doppelt so viel Rente wie gesunde Versicherte kassieren. Voraussetzung: Der Hausarzt bescheinigt den miesen Gesundheitszustand. Damit der teuer Versicherte nicht plötzlich aufhört zu rauchen und überraschend viel länger lebt, kann ein Cotinin-Test verlangt werden. Cotinin bildet der Körper bei Nikotinkonsum.
In England seit den 90ern gang und gäbe, sind solche Zusatzrenten hierzulande noch ein Nischenprodukt.
Bisher in Deutschland angebotene Sonderversicherungen beziehen sich lediglich auf eine schwere Krankheit, wie etwa die "Extra-Rente" der in München ansässigen"Lebensversicherung 1871" (LV 1871). Der Kunde kann auf Wunsch seinen Gesundheitszustand checken lassen. Ist die kürzere Lebenserwartung in Zahlen belegt, erhöht der Lebensversicherer die Rente - etwa nach einem Herzinfarkt: Statistisch verkürzt er das Leben um drei Jahre. Statt 1000 Euro erhält der Herzpatient von der LV 1871 1119 Euro im Monat. Ein pflegebedürftiger Alzheimerpatient bekommt demnach statt 1000 Euro sogar 1340 Euro monatlich.
Für den Pflegefall sichert auch die Provinzial Nordwest ab, die Kunden unter anderem in Hamburg betreut. Der Vorteil: "Die Pflegerentenoption ist kostenlos, weil sich die zusätzliche Rente durch die geringe Lebenserwartung der Pflegebedürftigen gegenfinanziert", sagte Vorstand Peter Hanus dem "Spiegel".