Sie war hübsch. Sie war jung. Sie war lebenslustig - und verliebt. Jetzt ist Gülsüm S. tot. Die 20-Jährige wurde auf grauenhafte Weise erschlagen. Vom eigenen Bruder. Es ging - wie im Fall Morsal - um die "Ehre" einer kurdischen Familie.
Wie bei Morsal passte der Familie aus dem niederrheinischen Rees der westliche Lebensstil ihrer Tochter nicht. Mit allen Mitteln hatte der Vater versucht, sie früh in der Türkei zu verheiraten. Doch Gülsüm kehrte nach Deutschland zurück. Eine von der Familie geplante zweite Hochzeit lehnte die junge Frau strikt ab. Sie hatte einen Freund. Als der Bruder dann erfuhr, dass Gülsüm heimlich abgetrieben hatte, beschloss er, die Schwester zu töten. Mit ausdrücklicher Billigung des Vaters, wie die Polizei glaubt.
Gülsüm lebte zuletzt bei ihrer Schwester. Die beiden waren zusammen mit dem Bruder als Drillinge zur Welt gekommen. Unter einem Vorwand lockte der Vater am 2. März zunächst Gülsüms Schwester aus der Wohnung, der Bruder holte Gülsüm dann später zusammen mit einem 32 Jahre alten Komplizen ab. Unter dem Vorwand, ihr Fahrrad suchen zu wollen, fuhren die Männer mit der jungen Frau zu einem abgelegenen Wirtschaftsweg. Es war schon dunkel, und während die junge Frau mit einer Taschenlampe nach dem Rad leuchtete, so die Polizei, "trat ihr Bruder an sie heran, würgte sie mit einer Schnur bis zur Bewusstlosigkeit." Anschließend schlug er mit Knüppeln oder Ästen auf das Gesicht der 20-Jährigen ein. Sie starb an den massiven Schlagverletzungen.
Spaziergänger entdeckten später die Leiche, alarmierten die Polizei. Die nahm zunächst den 32-jährigen Mittäter fest, der dann die Hintergründe der Tat schilderte. Wenig später erging auch Haftbefehl gegen Gülsüms Bruder, der die Tat gestand.