Vater und Sohn stapfen durch den Stadtpark. Sie ziehen einen dicken Baumstamm hinter sich her, sie schnauben. Dann ertönt ein lautes "Brrr!". Hengst Regent (9) und sein Sohn Walter (4) sind Arbeitspferde. Derzeit sind sie im Stadtpark im Einsatz - und Spaziergänger fühlen sich bei ihrem Anblick an längst vergangene Zeiten erinnert.
Arbeiten wie früher, das hört Pferdezüchter Thomas Isenberg (54) eigentlich gar nicht gern. "Die Tiere verursachen keine Schäden, es entstehen keine Abgase. Der Einsatz von Pferden im Wald ist deshalb ganz modern", sagt er. Gestern und heute ist er mit sechs Tieren im westlichen Teil des Stadtparks unterwegs. Im dichten Gehölz, wo keine Maschinen hingelangen, übernehmen die Pferde den Abtransport der gefällten Bäume. "Rücken", nennt das der Fachmann.
Regent und Walter sind Schleswiger, die Rasse gilt als gutmütig und robust. Für Walter ist es die erste Saison im Wald. In den vergangenen Jahren wurde er auf seiner Weide in Travenhorst (östlich von Bad Segeberg) auf seine Aufgabe vorbereitet, zum Beispiel mit Kutscheinsätzen. "Geeignet sind Pferde, die stark sind und nicht nervös werden", sagt Züchter Isenberg.
Er legt eine Schlinge um den Stamm, Regent und Walter setzen sich in Bewegung. Sie ziehen den Baum an den nächsten zugänglichen Weg, wo ihn ein Lkw einsammelt. Die Tiere arbeiten fast lautlos, man hört nur ein Schnauben und das Klirren ihres Geschirrs. Nach Feierabend geht es für Regent und Walter im Transporter zurück in den Stall. Thomas Isenberg: "Sie freuen sich nach der Arbeit genauso auf ihr Zuhause wie wir Menschen."