Zum Jahreswechsel galten noch "Terminator: Die Erlösung" und "Illuminati" als die sicheren Hits des US-Kinosommers 2009. Von Todd Phillips' Las-Vegas-Komödie "Hangover" hatte hingegen noch kaum jemand auch nur gehört. Das änderte sich schlagartig, als der erste Trailer im Internet auftauchte, in dem Mike Tyson eine grandios schiefe Interpretation von Phil Collins` "In the Air Tonight" zum Besten gibt.
Aus dem Nichts entwickelte sich ein unglaublicher Hype, der sich auch an den amerikanischen Kinokassen auszahlte: Obwohl der Film nur für Erwachsene freigegeben ist, spielte er bisher mehr als 230 Millionen Dollar ein und ließ damit auch den vierten Auftritt des Terminators und das zweite Abenteuer von Tom Hanks als Symbologe Robert Langdon weit hinter sich. Ein Erfolg, der nicht von ungefähr kommt - immerhin ist die respektlose Comedy in nahezu jeder Szene zum Schreien komisch.
Vier Kumpels fahren gemeinsam nach Las Vegas, um dort einen standesgemäßen Junggesellenabschied zu begehen. Bevor sie sich ins wilde Nachleben stürzen, stoßen sie zum Einstieg mit einem Schluck Jägermeister an ¼ Schnitt! Der nächste Morgen: Die Hotelsuite ist verwüstet, gackernde Hühner bevölkern das Wohnzimmer, eine barfüßige Schönheit schleicht sich leise hinaus, im Wandschrank quengelt ein unbekanntes Baby, die Toilette wird von einem ausgewachsenen Tiger bewacht, in der Tiefgarage steht anstelle des eigenen Wagens ein gestohlenes Polizeiauto, und im Kofferraum des wiedergefundenen Mercedes versteckt sich ein zwar nackter, aber nichtsdestotrotz ziemlich schlagfertiger Asiate.
Doch was das Schlimmste ist: Der Bräutigam ist verschwunden, und keiner der Verkaterten kann sich an irgendetwas erinnern. Den Freunden bleibt nicht viel Zeit, die wilden Geschehnisse der vergangenen Nacht in Sherlock-Holmes-Manier zusammenzufügen und ihren heiratswilligen Kumpel rechtzeitig zu seiner Trauung wieder nach Hause zu schaffen ¼
Schon die verzwickte Ausgangslage verspricht anarchische Kinounterhaltung vom Feinsten. Doch es kommt noch besser: Die unverbrauchte, herrlich spiellaunige Besetzung zieht die Sympathien des Publikums sofort auf ihre Seite.
Und die Drehbuchautoren Jon Lucas und Scott Moore reizen die Grenzen des politisch unkorrekten Humors bis zum Geht-nicht-mehr aus. Ein Beispiel gefällig? Für den bärtigen Alan, der sich viel zu gerne in seinen übergroßen, weißen Unterhosen in der Öffentlichkeit präsentiert, ist das wahre Verbrechen des 11. September, dass seitdem das Masturbieren an Bord von Flugzeugen verboten ist. Allein die mäßige deutsche Synchronisation, die den einen oder anderen Lacher einfach verschluckt, verhindert, dass "Hangover" an dieser Stelle mit der vollen Punktzahl von dannen zieht.
Fazit: Überdrehter Anarchospaß, bei dem fast jeder Gag ins Schwarze trifft.