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DER MORDAUFTRAG KAM VON IHREM SOHN

Schlachter-Ehepaar mit MPi hingerichtet

Fotoserie Schlachter-Ehepaar mit MPi hingerichtet

Sein Motiv klingt einleuchtend und erschütternd zugleich: "Ich wollte meine Freiheit, deshalb mussten sie weg." Peter M.* ließ seine Eltern erschießen. Als Auftragskiller engagierte er einen seiner besten Freunde: Björn S., ein orientierungsloser 17-Jähriger, der zwei Menschen mit einer MPi hinrichtet, um ein bisschen Aufmerksamkeit zu bekommen.



Harvestehude, Herbst 1979. Familie M. betreibt an der Hansastraße eine Schlachterei. Ihr Konzept: "Ausgefallene Wurstwaren für gehobene Ansprüche". Die Geschäfte laufen gut, zu den Stammkunden gehören auch einige Prominente (darunter "Tagesschau"-Sprecher Jo Brauner). Sohn Peter soll den Betrieb eines Tages übernehmen. Fritz (43) und Inge M. (42) überreden ihr einziges Kind, eine Schlachterlehre zu beginnen. Widerwillig fügt sich der 18-jährige dem Wunsch seiner Eltern.



Denn Peter hat eigentlich andere Pläne. Was genau, weiß er nicht, aber auf jeden Fall nicht Schlachter werden. So viel ist sicher.



Es nützt nichts: Vormittags wird gepaukt, nachmittags im Betrieb geholfen. In Peters Seelenleben braut sich ein tödliches Gemisch aus Kalkül, Verzweiflung und Hass zusammen. Lieferanten und Freunden erzählt M. junior: "Der Alte will, dass ich seinen Laden übernehme. Aber da läuft nichts." Einer dieser Freunde, denen sich Peter anvertraut, ist Björn S. (17). Ein Schwede, der vor zwei Jahren mit seinen Eltern nach Hamburg gezogen ist. Eigentlich ein aufgeweckter junger Mann, der in jeder freien Minute Sport treibt. Am liebsten Fußball und Schwimmen. Aber dann erkrankt er am Pfeifferschen Drüsenfieber. Sein Vater sagt später: "Vor der Krankheit spielte er überall immer die erste Geige. Als er körperlich immer schwächer wurde, bekam er mit sich selbst Probleme." Mit dem Sport ist es vorbei, Björn leidet unter heftigen Minderwertigkeitskomplexen. Er wird übergewichtig, kriminell und beginnt zu trinken. Der ideale Handlanger für Peter M.



Die beiden Freunde einen ihre verkorksten Lebensläufe. Beide hadern mit ihrem Schicksal, beide sinnen über Lösungen für ihre Probleme. Der Unterschied zwischen Björn und Peter: Der abgebrühte Schlachterlehrling versteht es, sich die Wankelmütigkeit seines um ein Jahr jüngeren Freundes zunutze zu machen. Für Außenstehende kaum nachvollziehbar: Peter gelingt es, Björn als Auftragskiller zu engagieren. Für 4000 Mark soll er Fritz und Inge M. töten. Außerdem verspricht er ihm: "Wenn die Alten tot sind, werde ich Universalerbe. Dann teilen wir das Geld und hauen ab." Der 17-Jährige schlägt ein.



Die Waffe, eine MPi aus dem Zweiten Weltkrieg, kaufen Peter und Björn für 1500 Mark bei einem 32-jährigen Studenten, den Peter aus dem Geschäft kennt ("Der hat bei uns immer Grützwurst gekauft"). Zwei Wochen lang tüfteln die beiden an ihren Mordplänen herum. Sie überlegen, wo man das Schlachter-Ehepaar am besten "wegmachen" kann. Im Treppenhaus? Auf offener Straße?



Dann, am 3. Dezember 1979, einen Tag nach Peters 18. Geburtstag, sind die Würfel gefallen: Fritz und Inge sollen in ihrer Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung erschossen werden. Es ist kurz vor 21 Uhr, das Schlachter-Ehepaar sitzt in Trainingsanzug und T-Shirt auf dem Sofa. Die "Buddenbrooks" flimmern über den Bildschirm. Fritz und Inge M. ahnen nicht, dass sich in wenigen Sekunden auch bei ihnen ein Familiendrama abspielen wird. Dann passiert's: Björn schnappt sich die MPi, stürmt aus Peters Zimmer, betritt das Wohnzimmer und drückt ab. 25 Kugeln durchbohren die Körper von Fritz und Inge M. Dann rennt er davon. In eine Kneipe, trinken.



Eine Nachbarin hört die Schüsse und ruft die Polizei. Wenige Stunden später werden erst Peter, dann Björn festgenommen.



Bei seiner Vernehmung behauptet Peter anfangs, nichts mit dem Mord zu tun zu haben und mimt das Opfer. Dann aber verstrickt er sich immer mehr in Widersprüche. Plötzlich platzt es aus ihm heraus: "Ich habe mich wie ein Sklave gefühlt! Im Geschäft haben sie mich ausgebeutet, in der Freizeit hatte ich überhaupt keine Rechte. Ich wollte ihr Geld haben, um mir ein schönes freies Leben zu machen."



Daraus wurde nichts: Im Juli 1980 verurteilt das Hamburger Landgericht Peter und Björn zu jeweils acht Jahren Jugendstrafe.



Björn S. - auf diesem Foto, das kurz nach der Tat aufgenommen wurde, 17 Jahre alt - erschoss die Eltern seines Freundes Peter M. Dafür kassierte der gebürtige Schwede 4000 Mark. Der jugendliche Auftragskiller hatte nach einer schweren Krankheit unter Minderwertigkeitskomplexen gelitten. Sein Vater sagte später: "Er kompensierte das mit Alkohol und Straftaten. Er wollte auffallen."

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Datum:  31.5.2009
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