Organisiertes Verbrechen - ein Krake, der Hamburg im Griff hält? Die MOPO sprach darüber mit Thomas Menzel, dem zuständigen Experten am Landeskriminalamts.
MOPO: Hamburg spricht von Organisierter Kriminalität (OK). Was ist das eigentlich?
Menzel: Es gibt eine bundeseinheitliche Definition, nach der geht OK mit verschiedenen Alternativen einher: Verwendung geschäftsähnlicher oder gewerblicher Strukturen, Gewalt beziehungsweise Einschüchterung oder Einflussnahme auf Politik, Medien, Justiz, öffentliche Verwaltung oder Wirtschaft. OK ereignet sich aber nicht nur, wie man das aus Mafia-Filmen kennt, oft werden diese Strukturen nach außen gar nicht sichtbar.
MOPO: Stichwort Einflussnahme auf Medien und Politik. Haben Sie so etwas in den vergangenen Jahren registriert?
Menzel: Einflussnahme auf die Medien hat es gegeben.
MOPO: Und Politik?
Menzel: Einflussnahme auf die Politik ist mir aus meiner OK-Zeit nicht bekannt.
MOPO: In welcher Form kommt OK in Hamburg vor?
Menzel: In erster Linie ist das der Rauschgiftbereich. Damit kann eben extrem viel Geld verdient werden. Hamburg ist Transitstation des internationalen Rauschgiftschmuggels. Typisch sind auch Menschenhandel, Milieukriminalität, Ausbeutung von Prostituierten. Wir haben Fälle von Kapitalanlagebetrug, von Falschgeld und Kfz-Verschiebungen. Wir ermitteln gegen international agierende Einbrecher- und Räuberbanden wie die Koszalin-Bande, die hier Juweliere überfiel. Es gibt kaum einen Deliktsbereich, in dem OK nicht stattfindet.
MOPO: Also ein Krake, der Hamburg im Griff hat?
Menzel: Einen solchen Kraken kenne ich nicht.
MOPO: Also haben Sie alles im Griff?
Menzel: Wir brauchen uns mit unseren Erfolgen gegen die OK nicht zu verstecken. Unsere Möglichkeiten sind seit unserer Neuorganisation 2005 sogar besser als je zuvor.
MOPO: Was sind das für Erfolge?
Menzel: Wir haben der Marek-Gruppe auf dem Kiez einen empfindlichen Schlag versetzt, wir hatten Erfolge gegen die schon genannte Koszalin-Bande, wir haben diverse große Rauschgiftverfahren abgeschlossen. Wir haben Erfolge gegen Kfz-Schieber, Warenterminbetrüger und Menschenhändler.
MOPO: Wie weit arbeiten Sie mit Bundeskriminalamt (BKA) oder Bundesnachrichtendienst (BND) zusammen?
Menzel: Mit dem BKA sehr eng und gut, da haben wir ständig Kontakte.
MOPO: Und der BND?
Menzel: Nein. Der BND ist ein Auslandsgeheimdienst, da gibt es in den Verfahren keine Zusammenarbeit.
MOPO: In Hamburg gibt es hoch kriminelle Familien mit internationalen Verbindungen. Haben Sie gegen die als örtliche Kripo überhaupt eine Chance?
Menzel: Ja, das haben wir in der Vergangenheit auch wiederholt bewiesen. Aber eines ist klar, es muss einen Bezug zu Hamburg geben, damit wir überhaupt zuständig sind. Wenn es dann über die Grenzen geht, arbeiten wir eng mit anderen Dienststellen auch im Ausland zusammen. Das ist Normalität und klappt immer besser auch gegen Täter, die hier seit Jahren Strukturen aufgebaut haben.
MOPO: Welche Rollen spielen kriminelle Albaner in Hamburg?
Menzel: Täter dieser ethnischen Gruppierung haben wir besonders beim Rauschgifthandel und im Rotlichtmilieu.
MOPO:Was fällt Ihnen denn zur Familie Osmani ein?
Menzel: Die Osmanis sind mir ein Begriff. Punkt.