Die einstige Löwenmähne hat er auf ein bürgerliches Maß zurückgestutzt. Den Herren-Pelzmantel und Versace-Anzug gegen Jeans und Hemd mit Ethno-Motiven eingetauscht. Der „schöne Klaus“, einst der Ober-Poussierer der Nutella-Bande, kommt heute recht solide daher. Geblieben sind diese stahlblauen Augen. Heute prahlt der Ex-Zuhälter nicht mehr mit einem fetten Lamborghini. Er lässt Farben sprechen. Der 53-Jährige malt Bilder in Acryl und Öl.
Die Werke zeigt er morgen ab 18 Uhr erstmals auf einer Vernissage im Lampengeschäft „Medusa“ in der Gärtnerstraße 48 (Hoheluft-West). „Ich hatte schon immer eine künstlerische Ader“, sagt der „schöne Klaus“, der mit Nachnamen Barkowsky heißt. „Und in Kunst auf der Volksschule meist ’ne Eins.“ Technischer Zeichner hatte er werden wollen. Doch dann kam alles anders.
Die Mädels standen auf sein Äußeres. Als er 17 war, steckte ihm eine Verehrerin jeden Tag 150 bis 450 Mark zu. „Einfach so. Ich wusste gar nicht warum“, erzählt er und saugt an einer Gauloises, die er Kette raucht. Ein Freund sagte ihm dann: „Du bist jetzt Zuhälter. Sie ist eine Nutte.“
Apropos Zuhälter: „Ich habe mich eigentlich immer eher als Milieu-Manager gesehen.“ Klaus sorgte für „Frischfleisch“ für die „Nutellas“, die, weil sie so jung waren, nach der Nougat-Creme benannt wurden.
In seinen „Spitzenzeiten“ habe er 15 Frauen gleichzeitig gehabt, sei immer nett zu ihnen gewesen. „Mal gabs ’nen Porsche, mal ’nen Pelz.“ Aber da war auch die Frau, der er ein Messer in den Rücken warf. Man munkelte was von Drogen. „War keine Absicht“, behauptet er heute. „Wir haben mit Messern auf eine Vase geworfen. Da hat mir jemand in den Arm gegriffen.“
Eine absolut stressige Zeit sei das damals gewesen. „Ich hatte die Nutella-Jungs am Arsch, die Frauen musste ich bei Laune halten. Dann die Polizei und Richter.“ Das ganze Äußere, die Goldketten, die Rolex, der Lamborghini – „Alles nur gelogen und aufgesetzt, weils dazugehörte. Das war nicht ich.“ Die Schießereien in den 80ern vertrieb dann die „Nutellas“ von St. Pauli.
Zu sich selbst habe er erst jetzt gefunden, da er malt. Vor 15 Jahren etwa begann es zaghaft. Seit drei Jahren schafft er intensiv. „Wenn ich male, bin ich happy.“ Was alte Weggefährten aus dem Luden-Milieu sagen würden, ist dem „schönen Klaus“ egal. „Die haben keine Ahnung von Kunst.“
Barkowskys frühe Werke sind düster. „Da arbeite ich meine Vergangenheit auf.“ Seine Motive: ein Gangster, ein elektrischer Stuhl. Alles abstrakt. Genauso abstrakt, aber dafür bunter sind seine Vögel, ein Krake. „Die kann man hochkant oder quer aufhängen. Jeder interpretiert da etwas anderes rein.“
Ob er den Verkauf seiner Bilder nötig hat, darüber schweigt sich der Ex-Kiezianer aus. Immerhin lagen bei den Abrechnungen der „Nutellas“ in den 80ern bis zu 300000 Mark auf dem Tisch. Und was für ein Auto fährt der ehemalige Lamborghini-Liebhaber? „Muss ich das sagen?“, fragt er. Klar. „Na gut, einen Mercedes SL“, gibt er zu. Und schiebt dann mit seinem breiten Grinsen nach: „Ist aber nicht meiner. Ist nur geliehen.“