Berlin - Im Streit um das Weltkulturerbe in Dresden hat der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Hans-Joachim Otto (FDP), für Kompromissbereitschaft geworben.
«Ich appelliere an die Beteiligten, einen Crashkurs zu vermeiden und aufeinander zuzugehen», sagte der Politiker im dpa-Gespräch. Dies gelte sowohl für die Konfliktparteien in Dresden als auch für das Verhältnis zwischen der UNESCO und der sächsischen Landeshauptstadt. Dresden droht wegen eines umstrittenen Brückenbaus die Aberkennung des Welterbe-Titels.
Nach Meinung Ottos sollte keiner auf Maximalforderungen bestehen. «Mit dem Kopf durch die Wand bringt uns nicht weiter.» Ähnlich wie im Fall Köln sollte auch in Dresden ein Kompromiss möglich sein. «Dafür sehe ich gute Chancen.» In Köln standen dem Welterbe Dom zeitweilig Pläne zum Bau von Hochhäusern entgegen. Schließlich wurden weniger und niedrigere Häuser errichtet als zunächst vorgesehen und Köln konnte den Titel behalten.
Otto ist davon überzeugt, dass in Dresden Brücke und Titel möglich sind. «Das Problem ist ja nicht die Brücke an sich, sondern deren Ausgestaltung.» Es sei klar, dass auch der Wille der Dresdner Bürger berücksichtigt werden müsse, die sich im Februar 2005 mehrheitlich für das Bauwerk ausgesprochen hätten. Gleichwohl warnte er davor, den Welterbe-Titel durch ungeschicktes Agieren leichtfertig aufs Spiel zu setzen. «Das ist auch für Deutschland wichtig. Dresden muss den Titel behalten.»
Der 53 Jahre alte FDP-Politiker bot der Stadt die Unterstützung des Kulturausschusses im Bundestag an. «Wenn es den Wunsch einer Vermittlung gibt, dann werden wir uns dem nicht verschließen.» Entscheidend dafür sei aber, ob die Bürger das auch wollen. Generell habe sich der Bund nicht in kommunale Angelegenheiten einzumischen. Otto will den Brückenstreit auf der nächsten Sitzung des Kulturausschusses am 6. September behandeln.
Gegen den Willen der Stadt Dresden ordnete das Regierungspräsidium als Aufsichtsbehörde am Freitag den Baubeginn für die umstrittene Waldschlösschenbrücke an. Damit verhärteten sich die Fronten im Streit um den Brückenbau. Die Stadt hatte am Donnerstagabend entschieden, Widerspruch gegen den behördlich verordneten Baubeginn einzulegen. Der Fall kommt nun vor das Verwaltungsgericht.
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