Deutsche Bank, Eon, Siemens, Mobil Oil, Philip Morris - Unternehmen, die auf sich halten, fördern heute Kunst. Und kaum ein Museum kann ohne solche Unterstützung noch überleben. Die Hans-Haacke-Schau in den Deichtorhallen musste allerdings "sponsorenfrei" sein - das war Bedingung.
Vermutlich hätten die Unternehmen sowieso abgewinkt. Den 70-jährigen Politkünstler auszustellen, ist immer noch heikel - die Hamburg-Schau, Teil einer groß angelegten Doppelausstellung mit der Berliner Akademie der Künste, ist die erste Haacke-Retrospektive in Deutschland überhaupt. Unter dem doppeldeutigen Titel "wirklich" sind Werke von 1959-2006 zusammengetragen worden.
Das ist auch der Grund, warum im Kunstbetrieb viele lieber die Finger vom Günter Wallraff der bildenden Kunst lassen: Über ihre Verwicklungen im engmaschigen Geflecht von Kunst und Geld, von Sponsoring, Wirtschaft und Politik wollen die Wenigsten in den Medien lesen.
Noch nie hat man die Nordhalle so licht und weitläufig erlebt. Eine regelrechte Parklandschaft tut sich auf: Vorne ein "Breiter weißer Fluss", dahinter eine poppige rot-weiße Zigarettenschachtel in den Dimensionen eines Kleinwagens. "Come to Marlboro Country"? Von wegen! In "Helmsboro Country" zeigt Haacke die von Philip Morris finanzierten Kampagnen des ultrarechten US-Republikaners Jesse Helms auf. Da wird einem ganz schwarz vor Augen - und das schon vor dem Blick auf die Banner mit Totenkopf und Frakturschrift an der gegenüberliegenden Fensterfront. Hier aufgelistete Unternehmen haben bei der Aufrüstung des Irak mitgewirkt - hatten teilweise schon Hitler beliefert.
Politisch Aufsehen erregte Haacke 1971, als das New Yorker Guggenheim Museum seine Einzelausstellung absetzte. Der Konzeptkünstler dokumentierte die planmäßige Verelendung von New Yorker Wohnvierteln durch Immobilienspekulanten. Seitdem, so sagt er, seien ihm "die Leute nicht unbedingt nachgelaufen". Sicher ein Grund, warum der Wahlamerikaner bei uns weit weniger bekannt ist als Klaus Staeck, die andere große moralische Instanz unter den deutschsprachigen Künstlern. Dafür kennt fast jeder Haackes Bodeninstallation "Der Bevölkerung" im Innenhof des Berliner Reichstags. Mittlerweile ist Gras gewachsen über das Beet, aus der Vogelperspektive einer Webcam sind die Buchstaben "B" und "l" kaum noch erkennbar.
In den Deichtorhallen sprießt gleich ein ganzer Hügel Winterweizen. Ein Frühwerk von 1969. Hier wirkt es wie ein Hügelgrab, unter dem die Konzerne ihre Waffenlieferungen wohl gern begraben sähen. Hans Haacke wird Sorge tragen, das über ihre Geschäfte bestimmt kein Gras wächst.
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?