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DAS SCHICKSAL DER KLEINEN LARA

Haben die Behörden wieder versagt?

Auf dem verdreckten Boden des Schlafzimmers lag die kleine Lara. Leblos und ausgemergelt. Das Baby starb Mittwoch an der Weimarer Straße in Wilhelmsburg (MOPO berichtete) - obwohl das Jugendamt die Familie nur acht Tage vor dem Tod besucht hatte. Die Obduktion ergab: Das Mädchen war stark unterernährt. Nun erhebt Nicole Z. (32), die Tante der kleinen Lara, schwere Vorwürfe: "Ich habe das Jugendamt immer wieder gewarnt, wurde aber abgewimmelt."



Nachdem die Mutter Jessica R. (18) die Feuerwehr alarmiert hatte, wurde die Leiche der kleinen Lara Mittwochmittag entdeckt. Die Retter hatten keine Chance, dem Baby zu helfen. Auf dem kleinen Körper waren bereits Leichenflecken, die darauf schließen lassen, dass das Mädchen schon länger tot war. Nach einer ersten Untersuchung der Leiche im Institut für Rechtsmedizin wurden die Mutter und ihr Lebensgefährte Daniel C. (21) vorläufig festgenommen. Auf dem Weg zum Polizeipräsidium sagt die junge Frau, dass sie ihr Kind doch bloß ins Bett gelegt habe und als sie wieder nach ihm schauen wollte, sei Lara tot gewesen.



Die Obduktion ergab: Lara wog nur 4,8 Kilogramm. Normal ist ein Gewicht zwischen 8 und 11 Kilo. "Der Körperfettanteil des Kindes war beinahe bei null", sagt Wilhelm Möllers, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ansonsten sei das Baby jedoch in einem gepflegten Zustand gewesen. Woran Lara starb, ist nicht geklärt. Eine Misshandlung durch Schläge oder Schütteln könne aber ausgeschlossen werden. Nun sollen feingewebliche Untersuchungen durchgeführt werden. Die Mutter, die während der Schulzeit ungewollt schwanger geworden war und vom Kindsvater verlassen wurde, und ihr Lebensgefährte wurden gestern Nachmittag wieder entlassen. Zwar werde weiter ermittelt, "jedoch müssen wir die Untersuchungen in der Rechtsmedizin abwarten. Danach können wir den Sachverhalt neu bewerten", so Wilhelm Möllers.



Dass es ein schlimmes Ende nehmen könnte - das hatte Nicole Z. schon seit Längerem befürchtet. Sie ist die ältere Schwester von Jessica R. "Wann werden Sie endlich was unternehmen? Muss die Kleine denn erst sterben?" Das habe die Frau in dem letzten Telefonat, das sie mit dem Jugendamt führte, gesagt. Nicole Z. versuchte immer wieder, die Behörde auf die katastrophalen Zustände in der Wohnung ihrer Schwester aufmerksam zu machen. "Jessica hat nicht mal gewusst, was das Kind zu trinken bekommen muss. Und sie hat sich auch nicht für Lara interessiert" sagt ihre ältere Schwester.



Auch die Versorgung ihrer Haustiere bekam das Paar wohl nicht geregelt. Kürzlich sollen eine Ratte und ein Kaninchen in der Wohnung verstorben sein. Trotzdem legten sich Jessica R. und ihr Freund vor etwa drei Wochen einen Hundewelpen zu.



Der Tod von Lara hätte vielleicht verhindert werden können. Denn die Mutter wurde betreut. Die Mitarbeiterin vom "Rauhen Haus" war zuletzt am 3. März in der Wohnung - nur acht Tage vor dem Tod des Babys. Nicole Z. kann nicht glauben, dass die Betreuerin die Unterernährung nicht bemerkt hat. "Das hätte jeder gesehen."

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Datum:  13.3.2009
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