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MISTER X DECKT AUF

Das böse Spiel mit Geldanlegern

Sie nennen sich "Die Experten". Und das sind sie auch - zumindest wenn es darum geht, gutgläubige Hamburger über den Tisch zu ziehen. Gefährlich sind "Die Experten", weil sie mit überzeugend wirkenden Rechenbeispielen ihren Opfern vorgaukeln, was für steuerliche Vorteile es hätte, eine vermietete Eigentumswohnung zu kaufen. Wer bei diesem Hamburg-Monopoly mitmacht, hat ein Leben lang mit den Folgen zu kämpfen. Mister X deckt auf.



Sitz dieser ominösen Firma ist ein Geschäftshaus am Heidenkampsweg. Die Verbraucherzentrale warnt eindringlich vor dem Unternehmen, und das ist wohl auch der Grund, weshalb es laufend unter neuen Namen in Erscheinung tritt. "Hanseatische Sachwert-Management", "Expertenteam24.com", "Privatkundenberatung" oder "Die Berater" - einige der Firmierungen aus der Vergangenheit.



Die Masche dagegen änderte sich nie: "Ich bekam einen Anruf", erzählt Sabine M.* (23). "Angeblich eine Umfrage: Ob ich auch der Meinung sei, dass die Steuerlast der Deutschen gesenkt werden müsse? Ich sagte ,Ja`." Das Gespräch war zu Ende, aber das Drama begann erst: "Kurz darauf kam wieder ein Anruf: Ich hätte mich ja an dieser Umfrage beteiligt. Jetzt wolle man einen unverbindlichen Termin mit mir vereinbaren, um mir dabei zu helfen, Steuern zu sparen."



Danach ging alles ganz schnell: "Die Experten" boten Sabine M. eine 42 Quadratmeter-Wohnung in Barmbek an und rechneten ihr vor, dass sie nach Abzug von Mieteinnahmen und Steuerersparnis eine monatliche Belastung von nicht mehr als 60 Euro haben werde. "Die Experten" machten Druck. "Es war nachts um 2 Uhr", erzählt sie, "als der Notar kam und ich den Kaufvertrag unterschrieb."



88000 Euro zahlte die junge Frau. Rechtsanwalt Volker Wenzel (49), der Sabine M. jetzt vertritt, sieht Anhaltspunkte, dass die Immobilie damit mindestens um das Doppelte überteuert sein könnte. Und statt 60 Euro muss Sabine M. jetzt 130 Euro monatlich für ihre Wohnung zahlen - sehr viel für eine Bäckereiverkäuferin, die nur 1200 Euro verdient. Dass die Bank - eine Sparkasse im Hamburger Umland - ihr überhaupt einen Kredit bewilligte, versteht der Anwalt nicht.



Sabine M. ist kein Einzelfall. Wie skrupellos "Die Experten" vorgehen, zeigt das Beispiel des Hamburger Ehepaars Stefanie und Robert R.*. Auch sie nehmen an einer Umfrage teil. Auch mit ihnen wird ein Beratungstermin gemacht. Aber was "Die Experten" nicht wissen können: Die beiden haben da längst Kontakt zu Mister X aufgenommen. Und so wird alles mit versteckter Kamera festgehalten.



Diesmal ist es eine Ein-Zimmer-Wohnung in Bergedorf, die "Die Experten" verhökern wollen. Die Abzocker gaukeln dem Ehepaar R. vor, dass es eine lange Warteliste gebe, dass sie schnell zuschlagen müssen, sonst sei das Schnäppchen weg. Wieder klingt das Rechnenbeispiel toll: Für nur 100 Euro im Monat eine Eigentumswohnung! Und die werde im Wert noch gigantisch steigen!



Beim letzten Besichtigungstermin lässt Mister X die Bombe platzen: Als Blitzlichter über den Vermittler niedergehen und er sich mit unangenehmen Fragen konfrontiert sieht, sucht der Mann ganz schnell das Weite. Grund dazu hat er. 74000 Euro sollte unser Lockvogel-Ehepaar zahlen. Völlig überteuert. Vor einem Jahr, am 3. Dezember 2007, hatte der heutige Besitzer genau dieselbe Wohnung für 33000 Euro gekauft - und dann "Die Berater" eingeschaltet, um sie mit möglichst großem Gewinn an Dumme zu verschachern.



Übrigens: Die MOPO hat gestern "Die Experten" um eine Stellungnahme gebeten. Keine Reaktion.



* Namen geändert

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Datum:  9.12.2008
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