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COMEBACK

Miami Vice

Das waren noch Zeiten, als Polizisten in Pastellfarben als Stil-Pioniere galten: Mit seidig glänzenden Sakkos in hellen, bunten Tönen haben Sonny Crockett und Ricardo Tubbs, die coolen Cops aus der Kultserie „Miami Vice“, die 80er Jahre geprägt. Design und Lifestyle standen bei dieser bahnbrechenden TV-Reihe stets im Vordergrund. Schon der von Jan Hammers legendärer Titelmusik vorangetriebene Vorspann verbreitete karibisches Flair wie ein Reisevideo, lockte mit schicken Schlitten und scharfen Speedbooten, mit flatternden Flamingos und betörenden Bikini-Beauties, mit Palmen, Papageien und Pferderennen – eine einzige große Verheißung: Genuss ohne Reue.



Und heute? Kein Vorspann, kein Vorspiel, kein Versprechen. Schon der Anfang des Kinofilms zeigt: Wir sind hier nicht in einer Nostalgie-Veranstaltung – dies ist der Abgesang auf eine Fernsehserie. Ohne Umschweife wird der Zuschauer ins kalte Wasser geworfen, taucht mitten hinein in die gefährliche, verwirrende Beschattung eines Mädchenhändlers. Okay, die Polizisten auf der Leinwand heißen wie vor 20 Jahren Crockett und Tubbs. Aber das wars dann auch schon fast mit den Gemeinsamkeiten.



Action-Spezialist Michael Mann („Heat“), der damals als Produzent die Fernsehserie mitentwickelt hat, präsentiert nun als Autor und Regisseur seine eigene, moderne Variante – und er macht keine Kompromisse: expliziter Sex, rohe Gewalt, knallharte Sprache. Die einstige Hochglanz-Optik ist dreckigen, grobkörnigen Wackelbildern gewichen. Konsequent ignoriert der Film die Sonnenseite der Stadt – und lässt uns stattdessen eintauchen in eine finstere Schattenwelt. Am Ende stehen keine heroischen Posen, sondern nur geplatzte Träume: Während die TV-Reihe wie eine ausgelassene Party daherkam, wirkt der Kinofilm wie der Kater am nächsten Morgen.



Er erzählt, wie sich die beiden verdeckten Ermittler als Drogenkuriere in das Imperium eines kolumbianischen Kartellbosses einschleusen. Dabei interessiert sich Mann vor allem für Gratwanderungen und Grenzüberschreitungen: Die Undercover-Agenten müssen andere Identitäten annehmen, müssen reden und handeln wie Verbrecher – und sind ständig den Verlockungen der dunklen Seite ausgesetzt. Zudem erleben wir, wie verwundbar die Polizei-Profis werden, wenn Persönliches ins Business hineinspielt: Sowohl Tubbs’ Beziehung zu einer knackigen Kollegin als auch Crocketts Affäre mit einer schönen Schurkin (schillernd: Gong Li) bedrohen Leben und Auftrag der Cops.



Für das legendäre Duo fand Mann eine adäquate Neubesetzung. Don-Johnson-Nachfolger Colin Farrell („Alexander“) muss jedoch gegen einen fiesen sichelförmigen Schnurrbart anspielen, der fatal an Wolfgang Petry erinnert. Dafür darf Oscar-Preisträger Jamie Foxx („Ray“), der mit Mann schon in „Ali“ und „Collateral“ zusammengearbeitet hatte, als ruhiger, wortkarger Tubbs (seinerzeit verkörpert von Philip Michael Thomas) Coolness verströmen.



Wie für seine anderen Kinofilme hat Mann akribisch recherchiert, und die authentische, intensive Milieuschilderung ist sein großes Plus. Schade nur, dass er diesmal ganze Handlungsstränge ins Leere laufen lässt und vergisst, eine bündige Story zu erzählen. Dennoch erweist er sich erneut als begnadeter Stilist und Atmosphäre-Zauberer, der anders als andere Action-Regisseure ohne Zerstörungsorgien oder pubertäre Späße auskommt. Wer allerdings einen munteren Aufguss der Fernsehserie erwartet, wird sauber enttäuscht. Drum: raus aus dem Kopf mit den alten TV-Folgen! Und dann: rein ins Kino!



Fazit: Pastellfarbene Sakkos, weiße Slipper und türkisblaue Buchten sind out – dieses kompromisslose, atmosphärische Action-Drama ist die düstere Nacht-Variante der legendären 80er-Jahre-Serie.

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Datum:  24.8.2006
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Julia Sextl

Relativ häufig muss ich kurzfristig ein Taxi bestellen, um noch pünktlich zu einem Termin zu kommen. Meistens stehe ich schon auf der Straße, wenn der Wagen