Es gibt derzeit nicht viele Dinge, die Martin Jols Grundstimmung trüben können. Nach der hervorragenden Auswärtswoche mit dem Remis in Bochum (1:1) sowie den Siegen in Prag (2:0) und Köln (2:1) zieht der Trainer vor den beiden abschließenden Partien bis zur Winterpause ein fast schon überschwängliches Fazit. "Wir liegen über meinen Erwartungen", erklärte der Niederländer. Vier Punkte Abstand zur Tabellenspitze, einer zu Rang drei, dazu das Weiterkommen in UEFA-Cup und DFB-Pokal - alles in Butter. Wäre da nicht dieses verflixte vorweihnachtliche Puzzlespiel.
Es wird eng in der Innenverteidigung. Wer wird am Sonnabend gegen Frankfurt neben Joris Mathijsen auflaufen? Guy Demel fällt sicher aus, ist nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Bastian Reinhardt plagt sich mit einem Bänderanriss im Sprunggelenk herum, Alex Silvas Bänder im linken Knöchel dürften nach der brutalen Attacke von Kölns Roda Antar zumindest stark gedehnt sein. "Ich habe noch keine Vorstellung, wie wir hinten spielen werden", sagt Jol deshalb.
Einzige Alternative des Kaders wäre noch Collin Benjamin, der in der Vorbereitung ab und zu mal im Abwehrzentrum ranmusste. "Aber dann haben wir auch gleich wieder ein Problem im defensiven Mittelfeld", weiß der Trainer. Denn auch dort wird "Collo" als Partner David Jarolims gebraucht. So wird der Namibier plötzlich zu Jols wertvollstem Spieler.
Die Hoffnung, dass Reinhardt oder Silva noch fit werden, lebt. Während bei Silva die gestern Abend durchgeführte Kernspintomografie Aufschluss geben sollte (Jol: "Das Resultat könnte besser ausfallen, als wir denken"), signalisierte Reinhardt bereits, sich einen Einsatz vorstellen zu können. Jol kann es kaum glauben: "Ich hoffe, die Ärzte verstehen, wie er meint, ohne Bänder spielen zu können ..."