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Das traurige Schicksal des Bettlers ohne Arme

Alex Ademov (28), Bettler ohne Arme

Foto: Rüga

Von Weitem ist nur ein lautes Rasseln zu hören. Dann taucht ein Mann auf, bei dessen Anblick vielen Passanten in der Hamburger Innenstadt ein Schauer über den Rücken läuft. Ein Bettler, der seinen Kopf wild hin und her wirft, um so die Münzen in einem Plastikbecher zum Klimpern zu bringen. Den Becher hält der rothaarige Vagabund mit den Zähnen fest - er kann nicht anders: Der Mann hat keine Arme! Aus den offenen Ärmeln seines T-Shirts ragen nur zwei verkrustete Stumpen.



Seit Wochen dreht der verstümmelte Almosenempfänger in der City seine Kreise und erregt dabei nicht nur Mitleid, sondern auch Misstrauen. Doch mit der sogenannten "Bettel-Mafia", die Behinderte aus Osteuropa illegal einschleust, um sie hier auszubeuten, hat Alex Ademov nichts zu tun. Der 28-Jährige lebt normalerweise in Spanien, ist erst seit Kurzem da und kam allein.



"Ich bin gekommen, weil ich mir hier Armprothesen besorgen wollte", erzählt Ademov. "Aber die sind viel zu teuer - 40.000 Euro!"



In Spanien habe er keine Chance auf Prothesen, weil man dafür Staatsbürger sein müsse, und das ist Ademov, der seit fünf Jahren in Madrid wohnt, nicht. Er stammt aus Bulgarien. Dort geschah auch das Unglück, das sein Leben für immer zerstörte.



Sieben Jahre ist es her, dass der ausgebildete Elektriker mit Kollegen zu einem Haus gerufen wurde, um an einer Leitung zu arbeiten. Bis heute fällt es ihm schwer, darüber zu sprechen. "Es gab einen Stromschlag. Den anderen ist nichts passiert. Nur mir." Drei Monate habe er im Krankenhaus gelegen. Dort wurden die Arme amputiert. Danach kam er in ein Heim für Invaliden - seine Eltern ertrugen den Anblick des entstellten Sohnes nicht und verstießen ihn. "Wir haben keinen Kontakt", sagt Ademov traurig. Im Heim lernte er, sich mit den Füßen zu waschen und mit dem Pinsel im Mund zu malen. Die Bilder waren so gut, dass eine Amerikanerin sie ihm für 25 Dollar das Stück abkaufte. Mit dem Geld wanderte Ademov nach Spanien aus.



Dort wurde es schwierig. Ademov landete auf der Straße. "Ich hasse es, zu betteln. Aber was soll ich machen?" In guten Zeiten verdient er 100 Euro am Tag, doch wegen der Krise geben die Leute derzeit weniger. Die Pension in St. Georg kann er sich gerade noch leisten, dafür wurde er von einem anderen Bettler bestohlen. Dass Ademov trotz Winterwetter T-Shirt trägt, hat aber nichts mit Geldmangel zu tun: "Sonst sehen die Leute meine Armstummel nicht und denken, ich sei ein Lügner." Nächste Woche will er nach Madrid zurück. "Ich hoffe, eines Tages von meinen Bildern leben zu können."

Der Bettler ohne Arme

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Datum:  17.3.2010
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