Wirbel an der Uni: Kandidiert ein Rechtsextremer für die "CDU-Hochschulgruppe"? Derzeit laufen die Wahlen fürs Studentenparlament. Auf Platz acht der CDU-Liste steht ein Name, der Beobachter der rechten Szene alarmiert: Martin Stoffers.
Der 32-Jährige hat eine tiefbraune Vergangenheit. In den 90er Jahren war er Mitglied der berüchtigten Studentenverbindung "Chattia Friedberg zu Hamburg". Die gilt laut Verfassungsschutz als "rechtsextrem", Standard-Begrüßung im Internet-Forum ist "Heil Euch". Passend: Der Staatsschutz warnt aktuell davor, dass die "Chattia" gezielt Neonazis an Unis holt.
1997 demonstrierte Militärfan Stoffers mit bekannten Rechten gegen die Wehrmachtsausstellung. Damals gehörte er der "Jungen Landsmannschaft Ostpreußen" an. Die propagiert ein Großdeutschland und organisiert rechte Aufmärsche. Für Stoffers "Jugendsünden" und "Geschichten von gestern". Er sei kein Rechtsextremist und ausgetreten, als die Gruppen zu radikal wurden.
Doch der Politik- und Soziologiestudent scheint auch heute noch vom rechten Lager angezogen. Er ist Mitglied im "Bismarckbund". Der von einem NS-Veteranen gegründete, stramm nationale Verein vergibt alljährlich Orden - 2004 etwa an einen Ex-Vorstand der "Gesellschaft für freie Publizistik", laut Verfassungsschutz "größte rechtsextreme Kulturvereinigung" Deutschlands. Zudem ist Stoffers Mitglied der "Tafelrunde zu Wien". Die Studentenverbindung gilt in Österreich als sehr radikal.
Neonazis im CDU-Nachwuchs? Regelmäßig werden braune Kader auf Listen des RCDS (CDU-nahe Studentengruppe) in Uniparlamente gewählt. Vor drei Wochen trat der Gießener RCDS-Vorstand zurück. Ein Nazi war lange im Vorstand. Für Autor und Szenekenner Felix Krebs ist der Fall deshalb keine Überraschung. "Der RCDS hat große Personalprobleme. Schon in den 90ern tauchten Rechte auf Hamburger Listen auf. Die gehen bewusst ein Risiko ein."
Und was sagt der RCDS? "Er war uns schon länger ein Dorn im Auge", so Vize-Vorstand Achim Biesenbach, der auch für die CDU kandidiert. "Bislang sah man keine Möglichkeit", Vorstandsmitglied Stoffers auszuschließen.
Dem ist Stoffers jetzt zuvorgekommen. Auch seine Kandidatur habe er zurückgezogen, sagt er. Dem Wahlausschuss ist davon nichts bekannt.