Grafiken und Skulpturen von Jörg Immendorff im CCH? Und dann angepriesen als "weltgrößte" Immendorff-Schau mit 650 Arbeiten auf 2500 Quadratmetern? Ob der Malerfürst, der im Mai 2007 an einer tödlichen Nervenkrankheit starb, das so gewollt hat?
Angeblich ja, denn, so Ausstellungs-Kurator Dirk Geuer, "Immendorff und ich haben die Idee für ein ¸temporäres Museum' gemeinsam entwickelt." Hier müsse sich nicht die Ausstellung an der Architektur eines Museums orientieren. Die Halle erlaube einen Parcours mit perfektem Licht, so der 38-Jährige, der 18 Jahre lang mit Immendorff zusammengearbeitet hat.
Wer angesichts der Marketing-Kampagne skeptisch reagiert, sollte trotzdem eine Blick riskieren, denn die neue Halle G im CCH bietet wirklich hervorragende Bedingungen für die politischen Panoramen und egomanischen Parabeln des 1945 in Bleckede bei Lüneburg geborenen Künstlers.
Die Schau belegt eindrucksvoll den Schaffensdrang Immendorffs, der trotz seit 1997 langsam erlahmender Arme und Beine immer neue Kunstwerke schuf und sich auch durch seinen gerichtsnotorischen Absturz mit Koks und Nutten nicht von der Arbeit abhalten ließ.
Sein legendärer Zyklus zum "Café Deutschland" (1977-83), der Linolschnitt zu "Langer Marsch auf Adler" (1992) und vor allem das Alphabet seiner Symbole wie etwa der Maleraffe laden zur Auseinandersetzung ein. Natürlich gibt's auch einen Hans-Albers-Raum: Immendorff, der ab 1984 das "La Paloma" auf dem Kiez besaß, setzte dem Sänger 1985 ein Denkmal.
Jüngst waren Zweifel an der Authentizität vieler Immendorff-Werke aufgekommen. Kann Geuer garantieren, dass sich keine Fälschungen eingeschlichen haben? "Alle Arbeiten sind katalogisiert, hier ist alles echt." Und: "Wir als Verleger haben uns geweigert, den Signaturstempel zu nehmen, als Immendorff nicht mehr signieren konnte. Wir haben eine Schablonensignatur benutzt." Heißt, die Hand des Künstlers wurde geführt.
Die ausgestellten Werke sind "unverkäuflich". Aber wer das eine oder andere Blatt aus 30 Editionen Immendorffs kaufen möchte, der kann im Art-Shop zuschlagen.