Draußen krachten die ersten Blitze vom Himmel - in der Bürgerschaft wurde über Gewalt auf dem Kiez diskutierten. Die ist seit mehr als zehn Jahren Thema im Rathaus. Neueste Forderung: ein Glasflaschenverbot.
"Pro Tag gibt es zwei Gewaltexzesse auf dem Kiez, Tendenz steigend. Die Maßnahmen des Senats bringen nichts", so SPD-Innenexperte Andreas Dressel als Begründung. Videoüberwa-chung? "Kein Effekt." Waffenverbot? "Wird nicht durchgesetzt." Freiwilliger Verzicht auf den Verkauf von Glasflaschen? "Bringt nichts." Fazit der SPD: Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU), der bei der Innenministerkonferenz weilte, habe versagt. Als Beweis führte Dressel auch einen Artikel von MOPO-Kiez-Experte Thomas Hirschbiegel an, in dem Polizisten den Senator kritisierten.
Das passte CDU-Mann Thomas Felskowsky überhaupt nicht. Er wurde erstmals von seiner Partei ins Rennen geschickt - als St. Paulianer sollte er wohl für Authentizität sorgen. Felskowsky: "Jetzt entspannen Sie sich mal, Herr Dressel!" Ursache für die steigenden Zahlen sei auch ein höheres Anzeigeaufkommen, mehr Kontrollen - und der stetig steigende Alkoholkonsum der Jugendlichen, dem "Vorglühen". Fazit der CDU: "Die Senatsmaßnahmen reichen aus und greifen - nur nicht von heute auf Morgen."
"Wo hast du denn vorge-glüht, Thomas?", fragte da SPD-St.Paulianer Andy Grote ungläubig - was ihm prompt eine Rüge des Bürgerschaftspräsidenten einbrachte. Grote: "Ahlhaus traut sich nicht, hart durchzugreifen."
Da sprang Farid Müller (GAL) seinen CDU-Kollegen bei und erinnerte, dass ein Glasflaschenverbot auch für Kneipen gelten müsste. "Von denen haben aber viele kei-nen Zapfhahn." Auch die Linke blieb skeptisch: "Entscheidender ist doch, welche gesellschaftlichen Konflikte sich auf dem Kiez entladen", so Christiane Schneider. "Sicher ist nur: Das Thema eignet sich nicht für derart billige Auseinandersetzungen."
Der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle erreicht mit seinen Büchern („Wenn das Schlachten vorbei ist“, 2012) ein Millionenpublikum. Der Mann hält wenig von den Menschen, auch weil die die Umwelt zerstören.