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BÜLENT CIFTLIK: Aufstieg und Fall eines Genossen

Bülent Ciftlik

 Foto: dpa

Es sind wohl nur noch wenige, die jetzt an ein Comeback von Bülent Ciftlik in der Politik glauben. Seitdem der ehemalige SPD-Sprecher von der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der "Verleumdung von Personen des politischen Lebens" belangt wird (MOPO berichtete), befindet sich der Stern des ehemaligen Hoffnungsträgers der Hamburger Genossen im Sturzflug.



Dabei liegt hinter dem heute 37-Jährigen ein steiler Aufstieg. Als Sohn türkischer Eltern macht Ciftlik Abitur, studiert Politische Wissenschaft und wird schließlich vom heutigen Parteichef Olaf Scholz in die SPD geholt. Er arbeitet sich bis zum Pressesprecher hoch.



Doch Ciftlik will mehr. Vielleicht sogar eines Tages in den Bundestag. Also bastelt er weiter an seiner Karriere ­ und muss erkennen, dass es nach Berlin ein weiter Weg ist! Realistischer erscheint da ein Platz in der Bürgerschaft. Doch auch dort verteidigen die Genossen ihre Listenplätze erfolgreich.



Und so muss Ciftlik 2008 die "Ochentour" antreten, die ihm letztlich aber nutzen wird: Er versucht sich als Direktkandidat seiner Partei in Altona.

Der Junggeselle geht seinen Wahlkampf an wie kaum ein Zweiter. Wochenlang klingelt er an jeder Tür seiner Wahlkreises, hört zu, verspricht Hilfe, spielt den Kummerkasten.



Mit Erfolg: Ciflik gewinnt seinen Wahlkreis überlegen. Es ist die Geburtsstunde des "Obama von Altona". Doch schon damals scheint er den Keim seines Untergangs selbst gelegt zu haben: Wie ihm die Staatsanwaltschaft heute vorwirft, vermittelte Ciftlik damals eine Scheinehe und kassierte dafür 3000 Euro. Wozu? Wollte oder musste der Aufsteiger so seinen Wahlkampf finanzieren?



In den Fokus der Öffentlichkeit gerät Ciftlik dann vor allem am 25. Februar 2008. Damals wollte die SPD ihren Bürgermeisterkandidaten wählen. Fast 1000 Stimmzettel werden aus einer Urne geklaut, in der Folge muss Parteichef Petersen zurücktreten. Ciftlik übernimmt als Pressesprecher das Krisenmanagement. Dabei gibt es bald einige in der Partei, die Ciftlik selbst als Dieb verdächtigen. Sein vermeintliches Motiv: Ciftliks schlechtes Verhältnis zu Petersen, der ihn womöglich "abgesägt" hätte. Bewiesen wurden diese Vorwürfe allerdings nie.



Jetzt beginnt eine gute Zeit für Ciftlik: Er arbeitet in der Bürgerschaft, profiliert sich in der Sozialpolitik und als SPD-Pressesprecher sitzt er vorerst fest im Sattel ­ bis Mai 2009. Damals durchsucht die Staatsanwaltschaft seine Wohnung und Büros. Es geht um den Vorwurf der Vermittlung einer Scheinehe. Weil er den damaligen Parteichef Ingo Egloff nicht über die Ermittlungen informiert, wird er als Sprecher beurlaubt. Als sogar Anklage gegen ihn erhoben wird, lässt Ciftlik auch sein Bürgerschaftsmandat ruhen.



Wie ein verzeifelter Versuch Ciftliks, auch seine parteiinternen Gegner mit in den Abgrund zu reißen, wirkt die vorerst letzte Episiode im "Fall

Ciftlik": Gefälschte LKA-Dokumente werden unter anderem der MOPO zugespielt.



Sie sollten beweisen, dass Petersen und Thomas Böwer (SPD) Ciftlik wegen der Vermittlung der Scheinehe "angeschwärzt" haben. Die Staatsanwaltschaft glaubt mittlerweile, dass Ciftlik selbst die Protokolle gefälscht hat, und ermittelt wegen Verleumdung gegen ihn. Sollte Ciftlik in einem oder sogar beiden Fällen verurteilt werden, drohen ihm womöglich Gefängnis ­ und der finanzielle Absturz sowieso.



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