Und zu guter Letzt gab es dann auch noch warme Worte mit auf die Rückreise. Geradezu genüsslich zog Torsten Frings sein ganz persönliches Fazit nach dem letzten Akt der wahnsinnigen Derby-Wochen. "Man hat ja wohl klar gesehen, dass wir die bessere Mannschaft als der HSV sind", ließ Werders Nationalspieler verlauten. "Wir waren total heiß auf die Hamburger und wollten ihnen den Rest geben." Nicht nur Frings dürfte sich innerlich kaputt gelacht haben, als er seine Widersacher wie ein Häufchen Elend in Richtung Mannschaftsbus schlendern sah.
Wenigstens eine gute Nachricht nahm der HSV mit nach Hause: Die Werder-Wochen sind vorbei. Albträume in Grün-Weiß wird es nach dem DFB-Pokal- und UEFA-Cup-Aus sowie dem gestrigen 0:2 (0:1) an der Weser bis auf Weiteres nicht mehr geben. Die schlechte Nachricht: Es kann alles noch viel schlimmer kommen. Rang sechs steht nun zu Buche, der HSV wäre damit raus aus dem internationalen Geschäft. Die so vielversprechende Saison droht in einer sportlichen Katastrophe zu münden.
Zumindest das Selbstmitleid sollte sich in Grenzen halten. Wer so auftritt, wie der HSV in Bremen, hat nichts anderes als eine Niederlage verdient. Werder lud den HSV förmlich ein. Ohne Diego und Mertesacker (beide verletzt), die gesperrten Boenisch und Fritz, dazu Pizarro auf der Bank lauernd, empfingen die Bremer den Gast. Sie wirkten zunächst tief entspannt, warteten auf die Hamburger Angriffswellen - doch die kamen nicht. Trochowski besaß freistehend die Chance zur Führung (24.), das war's auch schon. Almeida sorgte nach Rosenbergs Hereingabe für die Werder-Führung (34.), erhöhte später (diesmal passte Özil in die Mitte/49.). Niemeyer und Almeida (54.), Pizarro (76.) und Oehrl (Pfosten/81.) hätten gar noch für ein Debakel sorgen können.
Entsetzen bei den Fans - und den Profis. "Wir haben Glück, dass wir nur 0:2 verloren haben", so Kapitän David Jarolim, der erkannte: "Wir waren auf dem Platz überall, aber nirgendwo." Der verletzte Mladen Petric sieht sorgenvoll in die Zukunft. "Platz sechs ist nicht zu akzeptieren", schimpfte der Kroate. "Wenn wir die letzten drei Spiele in dieser Verfassung angehen, wird es auch dann nichts." Zumindest Martin Jol bleibt optimistisch: "Die Aufgabe eines Trainers ist es, Dinge zu reparieren. Und wir sind bislang immer wieder aufgestanden."
Tatsächlich ist genau das schon lange her. Sechs Pleiten aus den vergangenen neun Pflichtspielen bilden weit mehr als einen bloßen Trend. "Wir brauchen jetzt neun Punkte gegen Bochum, Köln und Frankfurt, um überhaupt noch irgendwas zu retten", so Petric.
Doch die Angst geht um. Bremen klaute dem HSV zwei Endspiele. Zerschmetterte Werder seinem Rivalen nun auch die komplette Bundesliga-Saison?