"Könnte man in die Menschen hineinblicken," sagt Agnès Varda, "fände man Landschaften.Würde man in mich hineinsehen, wären es Strände." Zeit ihres Lebens ist die Filmemacherin und Künstlerin Agnès Varda mit der Kamera in die Welt hinausgefahren und hat mit nie endender Neugierde Menschen, Orte und deren Geschichten gefilmt. Nun, kurz vor ihrem 80. Geburtstag, hat sie sich daran gemacht, Episoden ihres eigenen Lebens zu einem Mosaik zusammenzusetzen. Ihr kaleidoskopartiges Verfahren etabliert Varda gleich zu Beginn, als sie an einem belgischen Nordseestrand Spiegel aufstellt und davor Szenen aus ihrer Kindheit von jungen Mädchen nachspielen lässt.
Nach einer Fotografenausbildung in Paris kehrt Varda 1955 dorthin zurück, um ihren ersten Film "La pointe courte" zu drehen. Rasch lernt sie die Regisseure der Nouvelle Vague kennen, vor allem Alain Resnais und Jacques Demy, den sie ein paar Jahre später heiratet. In den späten 60er und 70er Jahren, als beide Filme in den USA drehen, entfernen sie sich voneinander, kommen aber wieder zusammen, bis Demy 1990 an den Folgen von Aids stirbt. Zu Vardas schönsten Arbeiten gehört denn auch "Jacquot de Nantes" (wie zahlreiche andere Arbeiten in Ausschnitten zu sehen), in dem sie die Kindheit und Jugend ihres Mannes nachzeichnet. Mag dieser auch als Spielfilm angelegt gewesen sein und "Die Strände ..." als Dokumentarfilm, verläuft die Grenze zwischen den Genres fließend. Kein Wunder, wenn Kunst und Leben über Jahrzehnte so eng ineinander verwoben waren und sind wie im filmischen Schaffen von Agnès Varda.