Die erhofften 10000 Gegner der Schulreform wurden es nicht, doch immerhin 4000 Demonstranten zogen am Sonnabend von der Gänseweide zum Rathaus, auf ihren Plakaten Sprüche wie "CDU- Chaos durch Unfähigkeit" oder "Hände weg von den Gymnasien" und "Primarschule - nein danke!" Vor allem Großeltern und Eltern mit kleinen Kindern waren dem Protestaufruf eines Elternbündnisses gefolgt.
"Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Primarschule", sagt Ulrike Langerbeins (45), Elternrätin vom Gymnasium Eppendorf. "Aber nicht schon wieder eine Reform in einem Legislatur-Galopp." Ihre älteste Tochter leide noch heute unter der schlecht vorbereiteten Verkürzung des Abiturs, ihr zweites Kind komme nun in die neue Profil-Oberstufe, "und mein jüngstes wird dann auf die neue Primarschule gehen". Das seien zu viele parallele Reformen auf einen Schlag.
Langerbeins hatte sich zur Demo drei Puppen an einem Stab gehängt - symbolisch für ihre drangsalierten Kinder. "Das ist ja wie bei den palästinensischen Müttern", musste sie sich von einem Gegendemonstranten anhören.
So zerstritten wie die Erwachsenen sind auch die Schüler. Jan Philip Unger vom Helene-Lange-Gymnasium sprach vom Podium: "Wir können nicht zulassen, dass leistungsstarke Schüler vernachlässigt werden, weil Frau Goetsch ihre Gleichmacherei so wichtig ist." Im Publikum hörte Frederic Rupprecht von der Schülerkammer zu und ärgerte sich. "Viele der Thesen, die ich hier heute gehört habe, sind falsch, undifferenziert und populistisch." Die Schülerkammer unterstützt die Primarschule.
Als der Demo-Zug sich in Bewegung setzten wollte, hatte sich eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten an den Kopf der Demo geschummelt und verhinderte den Start. "Eine Schule für alle - gegen Bildungseliten" stand auf dem Banner der etwa 20-köpfigen Gruppe von linken Schülern und Studenten. Nach etwa 20 Minuten wurden sie von der Polizei abgedrängt und der Marsch startete.
Politisch waren nur FDP und SPD bei der Demonstration vertreten. In der SPD war zuvor ein Streit entbrannt, ob die Partei sich mit dem Protest solidarisieren sollte. Völlig frei von solchen Bedenken konnte die FDP auftrumpfen und viele enttäuschte CDU-Wähler gewinnen. Überall leuchteten gelb-blaue Luftballons, und auf dem Rathausmarkt hatte Schauspieler und FDP-Werber Sky du Mont seinen großen Auftritt. Er forderte: "Herr von Beust, sagen Sie ,Yes, we can", und stoppen Sie diese Reform."