Alle Hamburger Nebenstraßen sind unter einem Eispanzer verschwunden. Alle? Nein, eine kleine Seitenstraße in Groß Borstel wurde von der Stadtreinigung fein säuberlich vom Eis befreit und abgestreut: die Frustbergstraße. Hier wohnt der Bürgerschaftspräsident Berndt Röder (CDU). Nach MOPO-Informationen soll der Politiker auf der exklusiven Räumung vor seiner Haustür bestanden haben.
Am Freitag kam das städtische Räumfahrzeug, legte das Kopfsteinpflaster in Röders Wohnstraße frei, streute Salz - und verschwand wieder. In Groß Borstel ist die Sonderbehandlung des prominenten Nachbarn seitdem überall Gesprächsthema. "Die Leute wundern sich schon sehr", erzählt Wolf Wieters, Vorsitzender des Kommunalvereins Groß Borstel, "Straßen, an denen viel mehr Menschen wohnen, sind die reinsten Eisbahnen und ausgerechnet die Straße des Herrn Röder wird penibelst gesäubert."
Ein Insider bestätigte der MOPO den Verdacht der Groß Borsteler: Der Präsident der Hamburger Bürgerschaft hat der Stadtreinigung deutlich zu verstehen gegeben, dass er seine Straße bitte schön eisfrei haben möchte. "Das lief über drei Ecken, war in der Sache aber sehr deutlich", so ein Insider. Kein anderer Politiker sei - direkt oder indirekt - mit einer so unverschämten Forderung an die Stadtreinigung herangetreten.
Berndt Röder ließ auf MOPO-Anfrage ausrichten, dass er sich auch nicht erklären könne, warum ausgerechnet seine kleine Wohnstraße seit Freitag eisfrei ist. Er habe nix damit zu tun.
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