Die Eis-Affäre des Bürgerschaftspräsidenten sorgt jetzt auch im Rathaus für mächtig Wirbel. Wie berichtet, hatte Berndt Röder bei der Stadtreinigung ein Räumkommando für seine Wohnstraße bestellt und sich damit aufs politische Glatteis begeben. Gestern war der Streu-Skandal Thema in der Bürgerschaft. Hinter vorgehaltener Hand wird schon gefragt: Ist der CDU-Politiker noch zu halten?
Ganz Hamburg rutscht und schliddert. Nur die Straße in Groß Borstel, an der der Bürgerschaftspräsident wohnt, ist bereits seit Tagen penibel geräumt und gestreut. Ein Zufall?
Die MOPO fragte am Montag bei Röder nach. Der ließ über einen Sprecher ausrichten, er habe mit der Räumung nichts zu tun, sei nicht tätig geworden.
Am Dienstag klang das schon ganz anders: Es sei ihm bei diesem Vorgang nicht um seinen persönlichen Vorteil gegangen. "Eine (...) bedrohliche Lage (...) hat mich veranlasst, auf diese aufmerksam zu machen." An Röders Straße liegt ein Veranstaltungszentrum. Der CDU-Politiker habe sicherstellen wollen, dass ältere Menschen dieses sicher erreichen könnten.
Im Klartext: Röder war eben doch tätig geworden!
Bei den Nachbarn sorgt dessen nachgereichte Erklärung für Spott. "Dass Herr Röder das 'Stavenhagenhaus' frei räumen lassen wollte, ist lachhaft. Es gibt dort einen Hausmeister, der alle Zuwege frei von Eis und Schnee hält. Und für die Autos hätte Herr Röder dann ja auch die Anschlussstraßen räumen lassen müssen", sagt Traute Matthes-Walk vom Bürgerverein.
Auch die Opposition schoss sich schnell auf Röder ein. SPD-Fraktionschef Michael Neumann forderte Aufklärung. Hat Röder seine Wohnstraße bevorzugt räumen lassen? Und hat er das anschließend zunächst auch noch geleugnet? Röder behauptete daraufhin, die MOPO habe ihn falsch zitiert. Nie habe er bestritten, tätig geworden zu sein.
Neumann forderte in der Bürgerschaft gestern: "Röder hat mir gesagt, die MOPO habe ihn falsch zitiert. Dann müsste er mit allen juristischen Maßnahmen dagegen angehen." Die MOPO bleibt bei ihrer Darstellung der Geschehnisse. Und Röders Sprecher sagte am Mittwoch, man plane derzeit keine rechtlichen Schritte ...