Weil er versuchte, sich das Leben zu nehmen, muss nun ein anderer mit dem Tod ringen. An der Bergedorfer Straße (B5) in Billstedt raste Farhad A. (27) absichtlich frontal gegen einen entgegenkommenden Golf. Der Lebensmüde selbst blieb nahezu unverletzt. Sein Opfer, der Polizist Jochen P. (33), schwebt derweil in akuter Lebensgefahr.
Bergedorfer Straße, Donnerstagnacht, 0:06 Uhr: Jochen P. ist auf dem Weg nach Hause. Der Tag war lang. Bis zum späten Abend musste der Bereitschaftspolizist beim HSV-Spiel im Volkspark arbeiten. Jochen P. fährt mit seinem Golf GTI auf der vierspurigen Straße in Richtung Bergedorf. Den Großteil der Strecke hat er hinter sich, als in Höhe der Anschlussstelle Billstedt-Mitte einige Autos vor ihm plötzlich panisch zur Seite fahren. Der 33-Jährige geht vom Gas, er sieht Lichter auf sich zukommen.
Einige Wagen können dem Geisterfahrer noch ausweichen - Jochen P. nicht. Frontal donnert der bullige BMW X3 in seinen Golf. Der kleine VW hat gegen den wuchtigen Geländewagen keine Chance. Einige Fahrzeugteile wurden bis zu 70 Meter weit geschleudert. Als die Feuerwehr eintrifft, steht es schlecht um Jochen P. Er ist in dem Wrack seines Golfs eingeklemmt. Die Retter müssen ihn mit hydraulischen Scheren aus dem Blechknäuel herausschneiden. Lange 45 Minuten dauert das.
Am Steuer des X3 sitzt Farhad A., Autohändler aus Hammerbrook. Er ist so gut wie unverletzt. Nur sein Brustbein ist leicht angeknackst. Aber der 27-Jährige ist betrunken. Ein Alkoholtest ergibt 1,9 Promille. Später sagt er, er habe "Stress mit seiner Frau" gehabt. Laut Polizei verursachte Farhad A. den Unfall "in suizidaler Absicht". Das Opfer seines Amoklaufs, Hobby-Kampfsportler Jochen P., wird mit Schädel-Hirn-Trauma und gebrochenem Brustbein in ein Krankenhaus gebracht.
Der 33-Jährige kämpft in diesen Stunden auf der Intensivstation mit dem Tod. Der Polizist wurde in ein künstliches Koma versetzt. Die Ärzte bezeichnen seinen Zustand als kritisch.