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BERGEDORF

Jugendamt sorgt für antideutsche Schlagzeilen

Das Bergedorfer Jugendamt sorgt in Polen für antideutsche Schlagzeilen. Magazine, Frauenzeitschriften, TV-Reportagen - alle empören sich über die vermeintliche "Zwangsgermanisierung". Hintergrund der medialen Attacken: Ein Scheidungsvater mit polnischem und deutschen Pass sollte bei betreuten Treffen mit seinen Töchtern deutsch sprechen. Die Anordnung hat das Amt längst zurückgenommen, der Medienkrieg geht weiter.



Wojciech Pomorski (36) ist der Mann, um dessen Scheidungsgeschichte sich all die Berichte drehen. In Polen gilt er als Opfer von deutschem Rassismus, es werden Parallelen zum Dritten Reich gezogen, von "Germanisierung in deutschen Ämtern" ist die Rede. "Polnisch verboten" überschreibt das Magazin "Wprost" seinen Artikel. Diesen deutschen Satz kennen die Polen noch aus der Zeit der deutschen Besatzung. Das Magazin "Newsweek" berichtet in seiner polnischen und der englischen Ausgabe, sogar der Londoner "Telegraph" und der "Sydney Morning Herald" schreiben über das Jugendamt Bergedorf.



Dabei handelt es sich zunächst um eine ganz normale, traurige Scheidungsgeschichte. Sie beginnt am 9. Juli 2003. An jenem Tag nimmt Wojciech Pomorskis deutsche Ehefrau die gemeinsamen Töchter Justyna Maria (heute 9) und Iwona-Polonia (heute 6) - und verschwindet. Wochenlang weiß der Vater, damals Vertriebsleiter, nicht, wo seine Familie ist.



Im November 2003 trifft das Paar sich vor dem Familiengericht Pinneberg wieder. Weil Vater und Töchter sich vier Monate nicht gesehen haben, ordnet der Richter "betreuten Umgang" an: Bis alles normal läuft, sollen sich Kinder und Vater unter pädagogischer Aufsicht behutsam wieder näher kommen. Die Kinder wohnen inzwischen in Bergedorf, also ist das dortige Jugendamt zuständig.



Der Sprachkrieg beginnt: Wojciech Pomorski ist zwar studierter Germanist und spricht ein ausgezeichnetes Deutsch, aber sein Herz schlägt für Polen. Bei aller Freude auf das Wiedersehen mit den geliebten "kleinen Rotznäschen" stellt der glühende Patriot eine Bedingung: Er will polnisch sprechen mit Justyna und Iwona, so wie er es seit ihrer Geburt getan hat: "Gefühle kann man doch nicht in einer fremden Sprache ausdrücken."



Das Jugendamt beharrt auf Deutsch. "Er ist deutscher Staatsbürger und erwartete von einer deutschen Behörde eine Dienstleistung", erklärt Christoph Krupp, Leiter des Bezirksamts Bergedorf. Außerdem habe die Mutter den betreuten Umgang auf Polnisch abgelehnt. Das Jugendamt schreibt jenen Brief, der seither in jedem polnischen Presseartikel über Wojciech Pomorski zitiert wird: Es sei aus "pädagogisch-fachlicher Sicht nicht nachvollziehbar, dass die Zeit des begleiteten Umgangs in polnischer Sprache erfolgen soll".



Die Wellen schlagen hoch: Der polnische Konsul spricht beim Bezirksamtsleiter vor, das polnische Fernsehen rückt an. Das Jugendamt lenkt schließlich ein: "Das Schreiben war nicht richtig", so Amtsleiter Krupp im Rückblick. Im Oktober 2004 wird der betreute Umgang auf Polnisch genehmigt. Ende gut? Nein. Bevor es zu einem Treffen mit dem Vater kommt, zieht die Mutter mit den Mädchen nach Wien.



Pomorski hat die Stadt Hamburg verklagt, fordert 15000 Euro Schmerzensgeld und eine schriftliche Entschuldigung "für die ungeuerliche Erniedrigung". Am 8. September 2006 beginnt der Prozess.



Und Justyna und Iwona? Im Mai 2006 trafen sie ihren Vater für ein paar Stunden. Er sprach Deutsch mit ihnen. Polnisch haben die Mädchen inzwischen verlernt.

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Datum:  28.8.2006
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Julia Sextl

Relativ häufig muss ich kurzfristig ein Taxi bestellen, um noch pünktlich zu einem Termin zu kommen. Meistens stehe ich schon auf der Straße, wenn der Wagen