Es wird so sein, als wäre er nie weg gewesen. Dabei ist es tatsächlich so, dass er bislang nie wieder da war. Seit Benjamin Lauth im Januar beschloss, seine Leidenszeit beim HSV zu beenden, war er nicht mehr in Hamburg. Seine Wohnung in Winterhude ist unberührt. Nach dem Spiel heute wird sich Lauth dorthin zurückziehen, das Osterwochenende an der Alster verbringen, vielleicht mit seinen Kumpels Raphael Wicky und Stefan Wächter einen Drink in der Schanze nehmen. Aller Voraussicht nach werden es seine letzten Nächte unter Hamburger Himmel sein. Der Leih-VfBler würde die Verbindung mit den Schwaben nur zu gern legalisieren: "Mir gefällts super und ich könnte nächste Saison wohl international spielen."
Vor knapp drei Jahren kam er als hochgehandelte Ware nach Hamburg - der Weg war vorgezeichnet. Beim HSV würde der Jungstar sich die internationale Reife aneignen, bei der WM im eigenen Lande mindestens zum erweiterten Stammpersonal gehören. Nichts von dem geschah. Statt eines Topstars, der sich aussucht, zu welchem Klub er gehen möchte, ist aus Lauth ein Ergänzungsspieler geworden, der abwarten muss, welcher Verein sich bereit erklärt, ihn zu nehmen.
Für 750000 Euro kann Stuttgart ihn per Option aus seinem Vertrag (bis 2008) herauskaufen. Verzichtet der VfB, stößt Lauth zur kommenden Saison wieder zum HSV-Kader. "Alles nicht dramatisch", sagt der Stürmer gewohnt gelassen, "ich werde auf keinen Fall arbeitslos."
Er selbst hat nur bedingt Einfluss auf den Verlauf der Dinge. Lauth ist auf die Beurteilung des Stuttgarter Trainers Veh und dessen Sportchef Heldt angewiesen. Lauth: "Das letzte halbe Jahr beim HSV hat mein öffentliches Bild sicher nicht besser gemacht. Viele Dinge waren für mich nicht nachvollziehbar und niemand hat mir erklärt, warum es für mich so gelaufen ist."
In Stuttgart zeigte seine Leistungskurve zuletzt nach oben. In der Vorwoche gegen Aachen traf er erstmals für den VfB, erstmals überhaupt in dieser Saison. Die Perspektive passt, Lauth hofft auf eine Zukunft als Schwabe. Erst dann wird er die Winterhuder Wohnung auflösen und seine möblierte Drei-Zimmer-Butze (5. Stock, kein Fahrstuhl) in Stuttgart-City gegen ein komfortableres Domizil eintauschen.