Welch ein Spaß! Und welch ein Kummer! David Bösch inszenierte im Thalia-Zelt in der HafenCity Shakespeares "Viel Lärm um Nichts" und zeigte, wie nah Komödie und Tragödie beieinander liegen. Dafür hat der erfolgreiche Regie-Bengel das Stück kurzerhand umgeschrieben: Am Ende gibts keine Doppel-Hochzeit, sondern drei Tote. Aber auch dieser Handstreich gelingt Bösch bravourös. Das Premieren-Publikum feierte ihn und das brillante Ensemble, das sich zum Saisonende noch einmal selbst übertraf.
"Der Krieg ist aus - jetzt beginnt die Liebe." Auf knatternden Mofas kehren die Soldaten heim, begleitet von italienischen Schlagern und sehnsüchtig erwartet von den Mädels. Während Benedikt sich herzhaft mit Beatrice kabbelt, verliebt sich Claudio (Tim Porath) in die Erste, die er sieht: Hero (Julie Bräuning), Tochter des Leonato (Harald Baumgartner), hier so eine Art Dorfbürgermeister. Doch so seicht wie die Liebe in den Schlagern, so flüchtig sind seine Gefühle: Eine kleine Verleumdung - und aus ists. Zwar bringt bei Shakespeare Claudio seine Hero nicht um wie Othello Desdemona, er demütigt sie "nur" öffentlich, am Tag ihrer Hochzeit. Aber Rufmord ist auch eine Art Mord.
Bösch denkt an diesem Punkt das Stück konsequent zu Ende. Er glaubt nicht an den Komödien-Dreh, dass nach dieser Tat doch noch alles gut werden kann. Und so lässt er das ausgelassene Treiben nach der Pause in zügellose Brutalität kippen: Die Kriegshelden verfallen in alte Kampfeslust.
Verblüffend: Im Scherz wie im Ernst - jederzeit ist dieses Ensemble glaubwürdig. Die berührendste Szene: Judith Hofmann als starke Beatrice und Alexander Simon als todgeweihter Benedikt. Die komischste: Sandra Flubachers "Mitmach-Theater". Man möchte die Bretter küssen, die Patrick Bannwart für sie entworfen hat! Und als wäre das alles noch nicht beglückend genug, gabs hernach über der Elbe noch einen Sonnenuntergang. Traumhaft.