News
Aktuelle Nachrichten aus Deutschland und der Welt.

MOPONews
Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 

BAUWAGEN: „Wir wollen unsere Freiheit!“

Die Rückkehr der Bauwagen

Tauwetter hat eingesetzt, der unbefestigte Weg am Ernst-August-Kanal in Wilhelmsburg besteht nur noch aus Matsch und Eis. Um in ihren umgebauten Zirkuswagen zu gelangen, muss Maren (30) mitten hindurch waten. „Sonst sieht es hier nicht so schlimm aus“, sagt sie mit Blick auf den verdreckten Teppich und zieht die Schuhe aus. „Aber das ist sowieso keine Dauerlösung.“ Die junge Frau mit dem dicken Strickpulli und den Rastalocken schläft derzeit nicht gut. Jederzeit Tag und Nacht könnte die Polizei ans Fenster klopfen und sie von hier vertreiben – und ihren Wagen beschlagnahmen.



„Zomia“ hat sich die Bauwagengruppe genannt, die sich seit etwa zwei Wochen ein Katz und Maus Spiel mit der Polizei liefert. Von einem Platz in Wilhelmsburg zum nächsten. Jetzt stehen sie direkt vor ihrer Traumwiese und warten auf ein Signal aus der Politik, dass sie bleiben dürfen. „Wenigstens für den Winter.“



Die Gruppe besteht aus etwa 15 Menschen. Sie haben sich gerade erst zusammengefunden, standen bisher an Straßenrändern, auf Hinterhöfen und Privatgrundstücken. Jetzt brauchen sie eine Dauerlösung fürs nächste halbe Jahr. „Wir wollen hier in Wilhelmsburg ein alternatives Wohn- und Lebensprojekt aufziehen“, so die Gruppe, zu der Studenten, ein Tischler, Pädagogen und Biologen gehören. Einige von ihnen leben bereits seit 12 Jahren im Bauwagen, andere erst seit zwei. Das „Küken“ der Gruppe ist 22 Jahre alt. Die meisten sind bereits älter als 30.



Das Wasser holen sie sich in Kanistern, Strom fürs Licht erzeugen Solarzellen auf dem Wagendach. „Und zum Duschen und waschen gehen wir zu Freunden im Stadtteil.“ Eine provisorische Toilette wurde zwischen den Büschen gebaut. Eine eigene Wohnung kommt für sie im Moment nicht in Frage.



„Dann müssten wir zu viele Zugeständnisse machen, denn Wohnungen sind teuer.“ Und bei ihren Vorstellungen vom Leben und Arbeiten könnten sie das gar nicht bezahlen. „Wenn man sich gesellschaftspolitisch engagiert, dann wird das selten vernünftig bezahlt“, sagt Maren. Etwa bei Umweltprojekten mit Jugendlichen oder in der politischen Bildung. „Und dann mache ich doch lieber etwas Sinnvolles und spare bei den Lebenshaltungskosten.“



In Wilhelmsburg trifft die Bauwagen-Truppe nicht nur auf offene Arme. Einige Anwohner werfen ihnen vor, das bunte Gesicht der Yuppisierung des Stadtteils zu sein. „Das wollen wir natürlich nicht, wir lassen uns da nicht instrumentalisieren“, betonen sie. Aber dass sie nun gar nicht nach Wilhelmsburg ziehen dürfen, nur um diesen Eindruck zu vermeiden, dass sehen sie auch nicht ein. „Es ist ja nun nicht so, als hätte es hier nie alternatives Leben gegeben.“

Weitere Meldungen News
Erstsemester-Studenten im Hörsaal der Uni Mainz. Der überwiegende Teil deutschen Wirtschaft ist mit Bachelor-Absolventen unzufrieden.

Deutschen Unternehmen sind enttäuscht von den Bachelor-Absolventen. Die Studienabgänger sind laut einer Studie immer öfter „praxisuntauglich“ und beruflich zu unerfahren.  mehr...

Die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank: Jürgen Fitschen (l) und Anshu Jain

Im Zuge ihres harten Kurswechsels will die Deutsche Bank weitere Milliarden einsparen. Die operativen Kosten sollen bis 2020 um zusätzlich 3,5 Milliarden Euro sinken.  mehr...

Nach dem schweren Erdbeben finden sich in Nepal Szenarien wie diese - Tiefe Risse und verschobene Erdplatten.

Nach dem schweren Erdbeben in Nepal sind Rettungshelfer weiter im Einsatz. Doch die Zahl der Toten steigt weiter dramatisch an.  mehr...

comments powered by Disqus

Aktuelle Videos
Videos Dschungelcamp