HAMBURG Es waren ganz andere Zeiten, als Gordon Brown und Tony Blair in den 90ern in Großbritannien an die Macht kamen: Zerschlagene Gewerkschaften, freie Märkte! Und die Investmentbanker waren die neuen Nationalhelden. Kein Mensch wusste so genau, womit diese schnieken Typen handelten, aber es warf Milliarden ab, musste also gut sein. Blair und Brown wollten die Allheil-Kräfte des Marktes nicht hinterfragt sehen.
Mittlerweile greift derselbe Gordon Brown zu radikalen Mitteln: Marode Banken werden verstaatlicht. Und dem Premier ist das nicht mal so sehr peinlich: Gestern empfahl er seine Radikalkur auch anderen Staaten als Rettung aus der Finanzkrise.
Als wenn die auf den Briten gewartet hätten: Die US-Regierung prüft im Moment, ob sie sich als Teil des 700-Millionen-Dollar-Rettungspaketes an betroffenen Banken beteiligt. Island steht am Rande des Staatsbankrotts und machte Feuer unterm Gletscher: Man verstaatlichte nacheinander die drei größten Geldinstitute, darunter die in Deutschland aktive Bank Kaupthing.
Folgt auf die ungebremste Herrschaft des Marktes jetzt der "Sozialismus 2.0"? Wer im Elend dieser Tage bei Karl Marx nach Antworten sucht, liegt jedenfalls nicht falsch. Der Philosoph, der mit Friedrich Engels im "Kommunistischen Manifest" die "Zentralisation in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol" forderte, gewinnt in der Krise stetig an Charme. Und das nicht nur auf der Linken, wo sich der SPD-Nachwuchs in seiner Kritik am Kapitalismus bestärkt sieht: Es gehe jetzt darum, "relevante Bereiche des Finanzsystems und unverzichtbare Teile der Energiewirtschaft und der allgemeinen Daseinsvorsorge zu verstaatlichen", so die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel.
Völlig unerwartete Schützenhilfe bekam sie vom biederen Peer Steinbrück: Auch der deutsche Finanzminister wollte jüngst im "Spiegel" die Weisheit mancher Marx-These nicht von der Hand weisen: "Generell muss man wohl sagen, dass gewisse Teile der marxistischen Theorie doch nicht so verkehrt sind". Und dann kam auch noch Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper und riet, der Staat möge angeschlagene Banken doch gleich verstaatlichen.
Neulich noch seien die Jusos als "Träumer und Linkssektierer abgestempelt worden", mokiert sich Franziska Drohsel. Und Schauspieler Rolf Becker erinnert sich (Interview unten) daran, wie groß noch jüngst das Geschrei war, wenn auf der Linken die Eigentumsfrage gestellt wurde. Jetzt gibt's neue Genossen für die alten Linken, und die sind Banker und Staatslenker. Und die alten Tabus sind die neuen Lösungsvorschläge.
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?